"A torinói ló" - die härteste Prüfung, die es gibt

Ein alter Mann fährt mit seinem frisch erworbenen Pferd auf einem klapprigen Fuhrwerk. Er erreicht den Hof. Eine Frau zieht das Pferd in den Stall. Als die beiden das Haus betreten, sind 22 Minuten vergangen. Der ungarische Regisseur Béla Tarr ist Meister der endlosen Einstellung. Wer Entschleunigung braucht, dem sei der Wettbewerbsbeitrag "Das Turiner Pferd" wärmstens empfohlen.

Wobei, der Film gleicht eher einer Vollbremsung. Selten ist in 146 Minuten Film so wenig passiert. Er ist - wir sind ja so arty - gedreht in Schwarz-Weiß, und in einer Endlosschleife geigt die Geige. Draußen tobt 144 Minuten lang der Wind, die restlichen zwei Minuten geht die Post ab. Nun, wir wollen nicht das spektakuläre Ende verraten, aber - nur so viel - es kommt zu einem Standbild. Zuvor starren der alte Mann und seine Tochter viel aus dem Fenster. Sie essen pro Tag ein bis zwei Kartoffeln mit der Hand. Unterteilt ist die Handlung in sechs Tage. An einem bockt das Pferd, am nächsten Tag verweigert es das Essen, an einem weiteren muss es gezogen werden, als Mann und Tochter ihre karge Hütte verlassen wollen. Nach einer Runde kehren sie zurück. Zweimal erhalten sie Besuch. Ein Mann faselt über den großen Kampf, der die Gewinner und Verlierer bis in alle Ewigkeit bestimmen wird. Dann kommen ein paar Zigeuner vorbei, die der Mann verscheucht.

László Krasznahorkai, der ungarische Schriftsteller, hat das Drehbuch geschrieben und einfach ein paar Stellen aus seinem Roman "Satanstango" entnommen. Kein Mensch, der diesen Film gesehen hat, wird einem glauben: Aber der Roman ist eine lesenswerte absurd-komische Groteske der Apokalypse, voller wortwitziger Dialoge.

Der Film entwickelt irgendwann seinen eigenen Rhythmus. Der Zuschauer ist eingelullt von der Geige, er hat keine Erwartungen mehr an die Handlung, er freut sich über jeden Perspektivwechsel. Auf jeder Berlinale gibt es bei Filmkritikern und Besuchern den Sarah-Knappik-Moment. Boah, das war die härteste Prüfung, die es überhaupt gibt, boah, war der Film hart, heißt es dann. Wer "Das Turiner Pferd" bis zum Ende gesehen hat, der isst auch Kängeruhhoden.

Heute, 12 Uhr, Friedrichstadtpalast

Heute, 17 Uhr, Urania

Sonntag, 15 Uhr, Berlinale Palast