Filmtagebuch

Feiern, wo man reinkommt

In diesen Tagen ist das Gästezimmer dauerbelegt. Nachdem ich innerhalb einer Woche das Bett dreimal neu bezogen habe, sage ich jetzt nur noch: Mach es selber, Schlüssel liegt unten beim Spätkauf. Das Gute an den Gästen ist allerdings: sie haben die begehrten Einladungen und mein Name lautet Plus Eins.

Einer von ihnen ist Geräuschemacher, seine Geräusche laufen ihm Wettbewerb, und als ich ihn auf der Premierenfeier frage, wie er den Film fand, sagt er: Zu leise. Neben ihm steht der Sounddesigner, der auch schon ziemlich betrunken ist. "Zu viel Champagner", sagt er und erzählt von der wohl exklusivsten Bar des Festivals. Die befindet sich neben der Bühne im Berlinale Palast, gesponsert von Pommery. Eine Art Wartezone für das Team, bevor alle einzeln und unter Beifall nach vorn gebeten werden. Sounddesign kommt im Abspann ziemlich weit hinten, also hatte er reichlich Gelegenheit. Wie er so erzählt von der Champagnerzone, bekomme ich den Eindruck, dass außer dem Regisseur, der als erster raus musste, wohl niemand nüchtern auf die Bühne kam.

Ein anderer Gast fragt, ob ich mit zum ARRI-Empfang komme. ARRI ist Hersteller und Verleiher von Filmtechnik, das verspricht also nicht gerade Glamour, sondern einen Haufen Kameramänner, die sich über die neueste HD-Technik unterhalten. Die Party findet in einem Autohaus statt, die Eintrittskarte ist ein billiges Schlüsselband. Wir fahren in die Friedrichstraße, oller roter Teppich, darauf im Blitzlichtgewitter eine alte Bekannte. Was macht die jetzt beim ARRI-Empfang, frage ich mich, was machen überhaupt all die Schauspieler hier. Jemand hält eine Rede und heißt alle willkommen zur Party des Regieverbands. Das erklärt einiges.

Mir geht es gleich viel besser. Die Party heißt dann auch "Director's Night" und das Autohaus "Lancia Lifestyle Lounge". Die Musik ist eine Katastrophe. Mittlerweile kann ich aus Erfahrung sagen: Jede Berlinale-Feier klingt wie eine Vorortdisko. So stelle ich mir Ü-30 Partys vor. Neben mir sagt einer, Hauptzweck dieser Veranstaltung sei es, talentierte Regisseure mit hübschen Jungschauspielerinnen zusammen zu bringen. Für diese Nacht zumindest scheint das Konzept aufzugehen. Geknutscht wird vor den Toiletten. Das passt zur Musik. Gegen zwei Uhr haben wir den Grauburgunder leer getrunken. Es taucht die Frage auf, ob wir noch zur Boss-Party gehen sollen. Der Regisseur in der Runde winkt ab: "Da sind doch nur die ganzen Wichtigtuer." Es kann so schön sein auf der falschen Party.

Lucy Fricke ist Schriftstellerin in Berlin. Zuletzt erschien ihr Roman "Ich habe Freunde mitgebracht"