Wettbewerb: Un mundo misterioso

Die Ruhe des Argentiniers: Reden ist überbewertet

Es fängt ganz schwungvoll an. Ein mitteljunges Paar erwacht morgens aus der Löffelchenstellung, er bringt den Kaffee, sie zieht sich den Schlüpfer an, er legt sich wieder hin, liest den Sportteil. Sie sagt: "Ich glaube, ich habe etwas Zeit." Er fragt: "Wie lange?" Sie sagt: "Ich weiß nicht. Ich brauche etwas Zeit."

Im Publikum stöhnt ein Mann leidend, als wenn er gerade 1000 Stunden Beziehungsgespräche hinter sich hat und die jetzt nun wirklich nicht noch im Kino braucht.

Der Mann Boris (Esteban Bigliardi) zieht in ein Hotelzimmer. Zu beobachten sind die üblichen Zerfallserscheinungen Alleinlebender: Er isst ungesund, raucht und schläft gelegentlich mit Socken. Immerhin macht er Gymnastikübungen. Ob er Arbeit hat, erfahren wir in dem argentinischen Wettbewerbsbeitrag "Rätselhafte Welt" nicht. Boris redet selten; seiner Freundin Ana (Cecilia Rainero) hatte er nichts entgegenzusetzen, als sie sagte, dass die Beziehung zu langweilig sei, alles nur Routine und vorhersehbar. Wobei man mal sagen muss: Ana ist jetzt auch nicht gerade ein Feuerwerk der guten Laune.

"Rätselhafte Welt" erfüllt, auch wenn es ein Klischee sein mag, alle Erwartungen an einen argentinischen Film. Er ist, wie es "El Otro" oder "Plan B" zum Beispiel waren, ruhig erzählt, ohne spürbaren Spannungsbogen und ernst. Regisseur Rodrigo Moreno, der 2006 mit "Der Leibwächter" zum ersten Mal auf der Berlinale war, zeigt erneut, dass er Reden für überbewertet hält.

Bruno ist ziellos. Mit seinem klapprigen Auto gerät er in einen Wolkenbruch und fragt sich: "Was mache ich hier?" Im Buchladen sagt er dem Verkäufer, warum er lesen möchte: Killing time, um die Zeit totzuschlagen. Das macht der Film auch, aber auf eine nicht unangenehme Weise. Man schaut Esteban Bigliardi gern dabei zu, wie er als Bruno versucht, die Tage herumzubringen. Er weiß nie, wohin mit seinen Händen, und seine dicken Brillengläser geben ihm etwas Unbeholfenes, Hilfesuchendes. Darauf stehen manche Frauen, wie der Film ein weiteres Mal beweist.

Am Anfang des Filmfests hätte man sich vielleicht gefragt: Was soll so ein Film? Heute ist man dankbar für die besonnene Kameraführung, ein wenig Handlung in einem Streifen, der so belanglos ist wie ein Tag ohne Aufregungen, auf den man aber trotzdem nicht hätte verzichten wollen.

Heute, 15 Uhr, Friedrichstadtpalast

Heute, 20 Uhr, Urania

20.2., 20 Uhr, Berlinale-Palast