Fotograf

Seine Bilder berühren, ohne indiskret zu sein

Porträts sind die Königsdisziplin. Sie sollen das Dauerhafte festhalten und doch den Augenblick einfangen. Solche Porträts sind auch eine Vertrauenssache. Sie verlangen nicht nur, dass sich der Fotograf auf den Menschen einlässt, den er vor sich hat, sondern sie erfordern auch, dass sich dieser Mensch der Kamera öffnet.

Das Geben und Nehmen muss also in einer heiklen Balance gehalten werden.

Von dieser Übereinkunft leben die Porträts, die der Berliner Fotograf Jens Koch macht. Sie können den Betrachter amüsieren, ohne zu laut zu werden, sie können ihn berühren, ohne indiskret zu sein. So hat Jens Koch Helmut Dietl an einem Tag abgelichtet, an dem es dem Meisterregisseur offenbar nicht gut ging, und trotzdem gelang ihm ein Bild, das die von der Kamera erfasste Depression nicht ausstellt. Das Foto, das er von Johannes Heesters machte - mit Zigarette und Cognacschwenker -, sagt uns mehr über das Lebensgeheimnis dieses scheinbar Unverwüstlichen als alle Interviews.

Und so könnte man lange fortfahren. Über das Blau, das vielen dieser Bilder ihre spezielle Atmosphäre gibt, über die Kunst des Arrangements, das einem Dreifachporträt wie dem, das Koch von den Herren Beckenbauer, Löw und Netzer inszenierte, einen überaus eleganten Witz gibt.

Jens Koch legt sich halt nicht fest. Er fotografiert aus Leidenschaft - und er schaut ganz genau hin. Seine eindrucksvollen Fotos erscheinen in vielen Zeitungen und Magazinen, auch in der "Bild am Sonntag", die wie die Berliner Morgenpost im Verlag Axel Springer erscheint.

Aber seit mehr als vier Monaten sitzt Jens Koch jetzt in einem iranischen Gefängnis, zusammen mit dem Redakteur Marcus Hellwig. Die beiden Journalisten wollten die wahre Geschichte der im Iran zum Tod durch Steinigung verurteilten Sakine Aschtiani recherchieren. Aber sie wurden einen Tag nach ihrer Einreise mitten in einem Interview wegen des Vorwurfs eines Visa-Vergehens verhaftet. Einflussreiche Persönlichkeiten wie der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bemühen sich seither um die Freilassung der Reporter, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde hinter den Kulissen aktiv. Bundespräsident Christian Wulff ließ den Journalisten im Gefängnis sogar persönliche Schreiben durch Diplomaten überbringen, in denen er den beiden Mut zusprach und ihnen das Mitgefühl ihrer Landsleute versicherte. Auch die deutschen Verleger- und Journalistenverbände und internationale Reporter-Organisationen appellierten in ganzseitigen Anzeigen an die Regierung im Iran, unsere Kollegen endlich freizulassen. Viele Verlage erklärten sich bereit, diese Anzeigen kostenfrei zu veröffentlichen. Aber all diese Bemühungen - ob auf öffentlichem oder auf diplomatischem Wege - blieben ohne Erfolg. Ganz offensichtlich hat man im iranischen Apparat unterschiedliche Auffassungen davon, wie mit der Causa weiter zu verfahren ist. Dabei gab es sogar schon die Hoffnung auf eine Wende, als Jens Koch und Marcus Hellwig am 27. Dezember 2010 in der Stadt Täbris, wo sie gefangen sind, zehn Stunden lang Besuch von Verwandten empfangen durften. Erschöpft sah Jens Koch aus, als er da mit seiner Mutter zusammentraf.

Von heute an zeigt die "Bild am Sonntag" in der Axel Springer-Passage in Berlin zwanzig herausragende Fotos von Jens Koch, die in der Sonntagszeitung und in anderen Publikationen erschienen sind. Die Ausstellung, die heute um 18 Uhr eröffnet wird, ist Zeichen von Respekt und Solidarität mit den Reportern und Ausdruck der Hoffnung: Jens Koch und Marcus Hellwig müssen endlich freikommen.