"The Future" - Katze zu krank fürs heiße Blechdach

Dieser Film hat den entscheidenden Vorteil, dass er erzählt besser klingt als gesehen. Irgendwie poetischer. Als Conferencier erscheint eine behinderte Katze im Tierheim, eine Pfote fehlt ihr. Sie redet in ihrem Käfig von Sehnsüchten und Träumen. "Pfötchen" hofft, adoptiert zu werden. Sophie und Jason sind dazu bereit, müssen sich aber vier Wochen bis zu Pfötchens Gesundung gedulden.

Die beiden Mittdreißiger leben in einer Einzimmerwohnung. Zwei Wuschelköpfe, die nicht wissen, was sie wollen oder tun. Weil sie die Katze bei sich ständig betreuen müssten, wollen sie die vier Wochen anders verbringen als wie üblich mit dem Laptop auf der Couch. In fünf Jahren, rechnen sie, sind sie 40. "Das ist ja fast 50", sagt Jason (Hamish Linklater), und danach passiere praktisch nichts mehr. Das Ende ist nah. Einmal noch aus sich herausgehen!

Sie kappen also - erste Spontanhandlung - das Internet, kündigen ihre Jobs. Sophie will 30 Tänze in 30 Tagen für "YouTube" einstudieren, Jason für einen guten Zweck Bäume verkaufen. Sie lassen sich treiben. Beide geraten auf Abwege, Sophie beginnt eine Affäre mit einem Vorstadtmenschen. Ein gelbes T-Shirt macht sich selbständig, verfolgt die Frau überall hin. Jason kann irgendwie die Zeit durch Handauflegen aufhalten, sagt er, und redet mit Gott. Oder ist es ein Handwerker? Dabei vergehen die Tage wie im Flug (aber nur dort). Zwischendurch jammert immer wieder mal die Katze.

Klingt alles ein bisschen absurd, auch fein stilisiert, versponnen, humorvoll. Aber "The Future" ist befremdlich und ziemlich langweilig. Die 91 Minuten dauern und dauern. Alle Zartheit ist bloß behauptet. Die antriebslosen Figuren nerven mehr, als dass sie verzaubern. Die Amerikanerin Miranda July inszeniert den Film nach eigenem Buch, und sie spielt Sophie. Der Film gehört zu Dieter Kosslicks erklärten Lieblingen des Jahres, er hat ihn ausgesucht, obwohl er schon in Sundance beim Festival zu sehen war, was eigentlich eine Wettbewerbsteilnahme ausschließt. Wirklich verständlich ist das nicht. Die Katze ist zu krank fürs heiße Blechdach. Es könnte auch mehr miaut werden.

Heute, Friedrichstadtpalast 15.30 Uhr, Urania, 22.30 Uhr; 17.2. Adria 18.30 Uhr; 20.2. Berlinale-Palast, 22.30 Uhr