Willanders TV

Wie wird man Türkei-Beauftragte der Filmleute?

Mitternacht ist vorbei, als der RBB "Einsweiter - das Berlinale-Tagebuch" sendet. Nun gibt es ein Wiedersehen mit Knut Elstermanns Besprechung von "Margin Call" samt Ausschnitten und zwei weiteren Beiträgen, die am Vortag bereits in Dieter Moors "Berlinale-Studio" gezeigt wurden.

Aber Berlinale bedeutet natürlich immer "Und täglich grüßt das Murmeltier"!

Und da sind schon wieder die Hauptdarsteller: Im Interview fordert Fuchsjagdfreund Jeremy Irons eine Regulierung der Gier ("Ich bin kein Sozialist"), und der treuherzige Kevin Spacey nickt beifällig dazu. Auf dem roten Teppich trägt Irons hohe Lederstiefel zu den - wie ein Kritiker streng bemerkt - "für sein Alter zu langen Haaren". Auch der junge "Tagebuch"-Reporter Arndt Breitfeld hat auf dem Potsdamer Platz noch etwas zu "Margin Call" zu sagen: "ein spannender Thriller"! Dann spricht er in einer Kneipe mit Yasemin Samdereli, der Regisseurin von "Almanya" - doch zur Integration fragt er nur, ob die türkische Mutter heute am christlichen Heiligabend zur Bescherung bimmelt (ja). Samdereli, die vor sieben Jahren an nur einer Folge von "Türkisch für Anfänger" mitarbeitete, fürchtet bereits, als Türkei-Beauftragte des deutschen Filmschaffens abgestempelt zu werden. Das könnte passieren: "Almanya" wird wahrscheinlich das türkisch-deutsche "Big Fat Greek Wedding".

Am vergnüglichsten an diesen Berlinale-Nachrichten sind die maliziösen Klatscheinlassungen der "Drag Queen" Inga Queer: Kosslicks Englisch-Schwäche findet sie ebenso peinlich wie Engelkes blondierte und zum Mop auftoupierte Haare, bei Heike Makatsch unterstellt sie eine Botox-Kur, und Christine Neubauer empfiehlt sie ein großzügigeres Kostüm: Es müsse halt "viel, viel Frau" hineinpassen.