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Morgens um kurz nach fünf mit Lena

Für 4.30 Uhr haben wir den Wecker gestellt - denn seit Jahren zählen die Pressekonferenzen vom Vortag zu den größten Glücksmomenten des Berlinale-Guckers. Im RBB laufen diese ungeschnittenen, unkommentierten, unendlich langwierigen Veranstaltungen in der Nacht, meistens nach zwei Uhr morgens.

Wenig ist faszinierender als die Rede anderer Menschen über einen Film, den man nicht gesehen hat. Noch heute erinnere ich mich an eine furiose Pressekonferenz für einen österreichischen Film über einen pathologischen Bankräuber, der nach der Tat stets schnell zu Fuß flüchtete, weil er passionierter Läufer war. Regisseur, Darsteller und Journalisten diskutierten, ob der Mann einen Hau hatte oder einsam war oder beides.

Vom Satellitenwecker geweckt, sehe ich um 4.40 Uhr das Team von "Almanya", das vor die blassblaue Berlinale-Tafel mit den Bärchen geführt und in immer neuen Grüppchen aufgestellt wird, damit die Fotografen viele Aufnahmen machen können. Diese Anordnung funktioniert nach einem ausgeklügelten System, bei dem die Winkel berechnet werden, die Zusammenstellung der Grüppchen, die Stellung der Leute zu den Fotografen. Schlaftrunken wundere ich mich, dass Lena Meyer-Landrut in dem Film mitspielt: Außen steht sie, in einem roten Kleid und triumphal lächelnd. Aber als alle an dem langen Tisch sitzen und der Reihe nach vorgestellt werden, ist von Lena keine Rede. Seltsam. Angeblich ist sie nun die Schauspielerin Aylin Tezel. Das bekomme ich noch mit. Dann übermannt mich der Schlaf.