Kulturpolitik

Widerstand gegen die Staatsopern-Sanierung

Was hat die Diskussion um Steuersenkungen mit der Sanierung der Staatsoper zu tun? Mehr als man denkt. Denn sollte sich die FDP mit ihren Plänen durchsetzen, hätte der Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper möglicherweise eine gute Vorlage für die im nächsten Jahr geplante Spenden-Werbekampagne.

Und käme der 30-Millionen-Marke etwas näher. Derzeit hat der Verein laut Geschäftsführerin Evelyn Fischer rund zwei Millionen Euro eingesammelt.

Die Summe von 30 Millionen Euro hält die Geschäftsführerin "angesichts der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzlage für nicht mehr realistisch". Die Zahl hatte der ehemalige Freundeskreis-Vorsitzende Peter Dussmann genannt. Das war 2005, als die Sanierung der Staatsoper mit 90 Millionen Euro veranschlagt wurde. Beziehungsweise über diese Summe spekuliert wurde, denn so richtig geprüft hatte die keiner. Ein Drittel davon könnte der Freundeskreis beisteuern, sicherte Dussmann damals dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu. Vertraglich fixiert wurde das allerdings nicht. Mittlerweile hat sich Dussmann krankheitsbedingt aus der aktiven Arbeit im Förderverein zurückziehen müssen - und auch der Intendant der Linderoper heißt nicht mehr Peter Mussbach. Die beiden hatten eine Kampagne vorbereiten lassen, die aber nie realisiert wurde. Jetzt sind neue Akteure am Ruder - und die 30 Millionen geistern herum wie der Fliegende Holländer.

Freundeskreis-Geschäftsführerin Evelyn Fischer, seit September im Amt, hält es für unklug, ein konkretes Sammelziel zu formulieren, weil das Spender abschrecken könnte, die sich mit kleinen Summen wie beispielsweise zehn Euro beteiligen möchten. Ob die alte Kampagne aktualisiert wird oder eine neue kommt - das soll nach Rücksprache mit dem designierten Intendanten Jürgen Flimm bald entschieden werden. Flimm hat seinen Kontrakt vor einigen Wochen unterschrieben und tritt sein Amt in knapp einem Jahr an. Pünktlich zur Eröffnung der Ausweichspielstätte Schiller Theater, das von der Staatsoper bis zum Sommer 2013 bespielt werden soll.

Die neue Bescheidenheit beim Spendensammeln hat die Senatsverwaltung für Kultur zwar überrascht, aber Sorgen, dass dadurch die mittlerweile auf 240 Millionen Euro geschätzte Sanierung der Staatsoper scheitern könnte, teilt man dort nicht. Denn anders als beispielsweise beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hängt der Fortgang der Bauarbeiten bei der Staatsoper nicht vom Spendenfluss ab. Steuert der Freundeskreis weniger bei, dann müsse der Finanzsenator tiefer in die Tasche greifen, betont Pressesprecher Torsten Wöhlert.

Das allerdings wollen offenbar einige Abgeordnete der Regierungskoalition verhindern. So beschloss der Bauausschuss kürzlich im Rahmen der Haushaltsverhandlungen, die für die Sanierung eingestellten Mittel für 2010 und 2011 zu sperren. Und zwar so lange, bis die zuständige Senatorin eine "Bedarfsplanung" vorgelegt hat. Hintergedanke ist, dass der Anteil der Sanierungskosten, den das Land Berlin tragen muss, so niedrig wie möglich ausfällt. Was aus Sicht der Haushälter nachvollziehbar ist, könnte beim Bund einen schlechten Eindruck hinterlassen. Der beteiligt sich nämlich mit 200 Millionen Euro - und erwartet eine gewisse Eigenleistung des Landes, die über den Umbau des Schiller Theaters zum Opernhaus hinausgeht. Das wird gerade für 23 Millionen Euro zur Ausweichspielstätte für die Staatsoper umgebaut - und soll später auch von der Komischen Oper genutzt werden.