Forum: Unter Kontrolle

Atomkraft, mon amour

Langsam fährt die Kamera an einem Brennstab entlang. Das lange, weiße Ding sieht aus wie ein Raumschiff, und wer vollends das Gefühl haben will, sich bei Volker Sattels Dokumentation "Unter Kontrolle" in einem Science-Fiction-Film zu befinden, muss nur die kleinen Männer betrachten, die sich in der nächsten aus der Vogelperspektive gefilmten Szene in einem riesigen Kessel befinden.

"Zieh mal nach mit der Hand", ruft einer zum anderen, seine Stimme verhallt in dem gigantischen Gehäuse, alles klingt metallisch und klinisch hier im Innern des Atomkraftwerkes Grohnde an der Weser, seit 25 Jahren im Betrieb und, jawoll, "heute noch mit einer Technologie, nach der sich die Ingenieure die Finger lecken", sagt einer.

Ja, ein Film über Atomkraftwerke ist das geworden und, jawoll, man sieht nicht einen einzigen Antiatomkraftaktivisten, und das Wort Gorleben fällt auch nicht, dafür aber Tschernobyl, natürlich, das habe Kalkar den Todesstoß versetzt, sagt einer, der heute durch die leeren Hallen läuft, wo 1991 mit dem "Schnellen Brüter" das Vorzeige-Kernkraftwerk der alten Bundesrepublik begraben wurde. "5000 Leute hätten für 25 Jahre Arbeit gehabt", sagt der Mann, und es schwingt jene Bitterkeit mit, die diesen irritierend faszinierenden Film ausmacht.

Denn die Kernkraft wirkt hier irgendwie wie eine enttäuschte Geliebte, die nie ihr wahres Gesicht zeigen konnte. Mit schweigenden Arbeitern in gelben Overalls und gelber Unterwäsche, mit Reaktorschutztafeln, Glasmodellen und Menschen, die über einen "Wellenabriss an Pumpe VC 13" sinnieren.

Volker Sattel vermittelt mit seinen verführerischen Cinemascope-Bildern einen überraschenden Einblick in eine Parallelwelt.

11.2., 16.30 Uhr, Delphi-Filmpalast

17.2., 19.15 Uhr, CineStar 8

19.2., 17.30 Uhr, Arsenal 1

20.2., Cubix 9, 20 Uhr