Berlinale-Filmreihen

Kplus und 14plus - Kino für Kinder und Jugendliche

China zur Zeit der Kulturrevolution: Unter einem Weißdorn beginnt die Liebesgeschichte zwischen der angehenden Lehrerin Jing, die zur Umerziehung aufs Land muss, und dem Geologen Sun. Eine Beziehung zwischen beiden darf nicht sein, aus politischen Gründen. Doch als Jing endlich ihren Gefühlen und dem Werben Suns nachgeben will, hat sie nicht länger die Regie ihrer eigenen Geschichte in der Hand.

Foto: berlinale

Altmeister Zhang Yimou ist Regisseur der bitter-zarten Lovestory Shanzha Shu Zhi Lian ("Under the Hawthorn Tree"). Mit seinem Film untermauert der Chinese, der 1988 einen Goldenen Bären gewann, die Ansprüche des Individuums gegenüber dem Kollektiv. Diesmal geht er in der Sektion Generation auf Bärenjagd - auf einen Gläsernen Bären im Wettbewerb 14plus.

"Warum läuft dieser große Film nicht im Haupt-Wettbewerb?", fragte ein Kollege verwundert. Doch mit seinen Themen - der ersten Liebe, die an Widerständen wächst, der Emanzipation der Protagonisten von überkommenen Wertvorstellungen - bewegt sich der Film auf dem klassischen Terrain der Festival-Reihe Generation. Sie lädt zu einer inspirierenden Kinoreise um die Welt ein. "Die gut erzählten Filme schärfen den Blick für die Realität und das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen", so Sektionsleiterin Maryanne Redpath.

Rund 60 Lang- und Kurzfilme sind in den Wettbewerben für Kinder und Jugendliche - Kplus und 14plus - zu sehen. Erstmals gastiert die Sektion mit beiden Reihen im Haus der Kulturen der Welt und schöpft dabei das Genre-Repertoire voll aus: Vom französischen Animationsstreifen "Die Katze von Paris", der in nostalgisch anmutender Optik vom Doppelleben der Hauskatze Dino und dem eleganten Einbrecher Nico erzählt, bis zur israelischen Coming-of-Age-Geschichte "Sintflut", deren Held Yoni vor seiner Bar-Mizwa steht. Er will nicht nur eine tiefere Stimme haben, sondern muss sich auch als Familienreparierer beweisen. Aus Skandinavien kommt der urkomische "Liverpool-Torwart", in dem der 13-jährige Jo seine zahllosen und von der alleinerziehenden Mutter geschürten Ängste vorm Fußballspielen und vor Auftragsmördern überwinden will.

Überhaupt gelingt es vielen Filmen der Sektion, ernsten Themen auch witzige Seiten abzugewinnen: Das zeigt der 14plus Eröffnungsfilm "Griff the Invisible" aus Australien über einen sympathischen Sonderling mit Superman-Fantasien, aber auch der Film "West is West", eine frische Multikulti-Geschichte aus Großbritannien. Darin reisen Papa Khan und sein jüngster Sohn Sajid nach Pakistan - und am Ende wird nicht nur der junge Mann, sondern auch der Papa ein Stück erwachsener...

Eine Entdeckung ist ferner der philippinische Dokumentarfilm "Sampaguita" über den erschütternden Alltag von Straßenkindern in Manila. Oder der iranische Spielfilm „Wind und Nebel“, der in beeindruckenden Bildern von einem durch ein Kriegserlebnis traumatisierten Jungen und seiner Gesundung erzählt. Alljährlich entzünden sich an den harten Filmen, die im Wettbewerb Kplus gezeigt werden, Debatten wie diese: Darf man Kindern solche Beiträge überhaupt zumuten? Wer die lebendigen Diskussionen der kleinen Festivalbesucher mit den Filmemachern aus aller Welt erlebt, weiß: Aber ja, junge Besucher haben Lust auf ungewohnte, mitunter auch schmerzhafte Kinoerfahrungen.