Ägypten

Museumsdiebe rauben irrtümlich Souvenirshop aus

| Lesedauer: 2 Minuten
Matthias Gretzschel

Die größte Gefahr für die altägyptischen Kulturschätze scheint inzwischen gebannt zu sein. Das geht aus einer Information hervor, die Ramadan B. Hussein von der Ägyptischen Antikenverwaltung gestern per Mail an befreundete Wissenschaftler verschickte und die das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Kairo öffentlich gemacht hat.

Darin bestätigt Hussein zwar Fälle von Vandalismus im Ägyptischen Museum und an den Grabungsstätten, bei denen man "jedoch noch nicht von Plünderungen sprechen" könne. Dietrich Wildung, ehemaliger Direktor des Ägyptischen Museum in Berlin, hatte bereits vergangene Woche der Berliner Morgenpost gegenüber versichert, das keine nennenswerte Gefahr für die Kairoer Kulturschätze bestand. Inzwischen würden auch die Fundstätten vom Militär gesichert, heißt es aus Kairo. Die Bewohner der umliegenden Dörfer hätten die Grabungsflächen als "menschliche Schilde" geschützt.

Die Menschen, die am 28. Januar ins Ägyptische Museum eingedrungen waren, hatten nach Husseins Einschätzung unterschiedliche Beweggründe. Einige wollten das Museum schützen, bei anderen habe es sich um Diebe gehandelt. Einige von ihnen unterlagen allerdings einem kuriosen Irrtum: Sie drangen in den Souvenirshop ein, weil sie diesen für einen Ausstellungsraum und die dort zum Verkauf angebotenen Repliken für Originale hielten.

Von den sechs Plünderern, die durch die Deckenfenster des Museums eingebrochen waren, sei einer beim Abseilen in einen Ausstellungsraum gestürzt und auf eine Vitrine gefallen. Dabei habe er sich so stark verletzt, dass er später nicht mehr fliehen konnte. Eine Gruppe von zehn Plünderern war gerade dabei, an der westlichen Außenwand des Museums hinaufzuklettern, als sie von Soldaten entdeckt und anschließend festgenommen wurden. Am 29. Januar inspizierten Fachleute unter Leitung von Museumsdirektor Tarek al-Awady die Schäden, die weit weniger gravierend seien als ursprünglich befürchtet. Das führt Ramadan Hussein vor allem darauf zurück, dass die Plünderer offenbar nur nach goldenen Gegenständen gesucht hätten. Vitrinen seien aufgebrochen, die Artefakte jedoch größtenteils nicht mitgenommen, sondern zu Boden geworfen worden. Einige seien zerbrochen.

Stephan Seidlmayer, der Direktor der Kairoer DAI-Außenstelle, hält die von Hussein gegebene Einschätzung für realistisch, hat aber zurzeit keine eigenen Informationen. "Unserem Institut und seinen Mitarbeitern geht es gut - es ist auch niemandem von uns in den zurückliegenden Tagen etwas passiert oder auch nur etwas Unangenehmes widerfahren", teilte Seidlmayer gestern mit. "Im Gegenteil, wir erleben besondere Freundlichkeit, Ermutigung und Hilfsbereitschaft." Der Alltag der Wissenschaftler sei im Übrigen unbeeinträchtigt - die Sicherheitslage, jedenfalls im Zentrum von Kairo, wo sich die Forscher seit Beginn der Massenproteste aufhalten, sei wieder vollkommen gewährleistet.