Baukosten

Geld spielt keine Rolle: Hamburger Elbphilharmonie wird noch teurer

Die Kosten der umstrittenen Hamburger Elbphilharmonie sind höher als bislang bekannt. Statt den zuletzt prognostizierten 323,3 Millionen Euro kostet das prestigeträchtige Konzerthaus in der HafenCity mindestens 351,3 Millionen Euro, heißt es im Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) der Hamburger Bürgerschaft.

In dieser Summe seien die Finanzierungskosten etwa für das in dem Bau vorgesehene Fünf-Sterne-Hotel noch nicht berücksichtigt, sagte Ausschuss-Vorsitzender Peter Tschentscher (SPD). Den Hauptteil der zusätzlichen Kosten machen mit 28 Millionen Euro Planungs- und Regiekosten aus, darunter Honorare für die Architekten.

Zur Erinnerung: Ursprünglich waren einmal 77 Millionen Euro für das Gesamtprojekt veranschlagt worden. Es ist schon ein gewaltiges Loch, das inmitten des imposanten Rohbaus in der Hamburger HafenCity klafft. Von oben betrachtet, gleicht der Blick auf die berühmteste Baustelle der Hansestadt dem in ein Fass ohne Boden - und als ein solches dünkt die dort entstehende Elbphilharmonie (EP) längst nicht mehr allein der politischen Opposition an der Elbe. Der 183 Seiten umfassende Sachstandsbericht lässt den Leser angesichts der Blauäugigkeit, mit der die Stadt Hamburg als Bauherr aufgetreten ist, nur den Kopf schütteln. Erschreckend genug, dass die Gesamtkosten für den Baukomplex - auf einem alten Kakaospeicher im Hafen entsteht nach den Plänen der Basler Nobel-Architekten Herzog & de Meuron ein Konzerthaus, "ummantelt" von einem Fünf-Sterne-Hotel, Restauration und 45 Luxuswohnungen - derart explodiert sind. Durch den PUA-Bericht wird nun auch deutlich, dass die Stadt dies überwiegend selbst verschuldet hat: Angefangen von einer viel zu frühen Ausschreibung und Auftragsvergabe an das Bauunternehmen Hochtief - "Sie erfolgten, als die Planung noch so unvollständig war, dass selbst die Architekten vor hohen Kostenrisiken gewarnt haben", sagt Tschentscher.

Statt 2010 wird das erste Konzert vermutlich erst 2013 stattfinden können. Und schrille Töne bestimmen inzwischen auch jenen Bereich, in dem Hamburg mit dem Bau der Elbphilharmonie eigentlich zur Musikstadt von Weltrang werden wollte: Denn der EP-Intendant Christoph Lieben-Seutter hat es sich gut drei Jahre nach seinem Amtsantritt mit fast allen privaten Konzert-Veranstaltern, Orchestern und Chören der Stadt verscherzt - so sehr, dass mittlerweile selbst aus den Reihen des Freundeskreises eine Vertragsverlängerung mit dem Intendanten abgelehnt wird. Brüskiert der 46-Jährige doch diese immer wieder mit seiner Bemerkung, er habe den Auftrag, Hamburg "aus der Regionalliga auf Weltstadtniveau" zu bringen. Dass der Wiener zudem schon heute, Jahre vor der Eröffnung der Elbphilharmonie, 3,5 Millionen Euro an städtischen Subventionen für seine in Eigenregie veranstalteten Konzerte erhält, lässt nicht nur die privaten Veranstalter von Wettbewerbsverzerrung und Bedrohung sprechen: Auch die Kulturpolitiker von SPD und Linke befürchten, dass hier ab 2013 noch ein weit höheres Defizit aus dem Konzertbetrieb droht, "das den Hamburger Kulturhaushalt über viele Jahre schwer belasten wird", so Norbert Hackbusch von der Linksfraktion.