Ehrung

Aribert Reimann erhält den Siemens-Musikpreis

Es war 1968, als Starbariton Dietrich Fischer-Dieskau zum ersten Mal versuchte, seinen Klavierbegleiter, den Komponisten Aribert Reimann, zu einer "Lear"-Oper zu überreden. Jahre sollten vergehen, bis der sich dazu durchrang.

Während der Schleyer-Entführung komponierte Reimann die Szene, in welcher der getreue Gloster gefoltert und geblendet wird. Der blutige Deutsche Herbst war gerade in den Winter übergegangen, als Reimann die Komposition im Januar 1978 abschloss. Und obwohl der stille, unauffällige Komponist immer bestritt, dass "Lear" auch nur im Geringsten politisch sei, so ist diese Oper, die zum Klassiker der Avantgarde wurde, doch in dieser widersprüchlichen Zeit verwurzelt. Gerade auch für seinen "Lear" wird der Berliner Komponist mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2011 geehrt.

Die mit 200 000 Euro verbundene Auszeichnung ist dem Lebenswerk des heute 74-Jährigen gewidmet. Die Jury lobt Reimanns "mit größter Konsequenz entwickelte persönliche musikalische Sprache", die das Musikgeschehen der letzten Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt habe. Natürlich wird sein Verständnis für die menschliche Stimme gelobt. Dabei galt Reimann unter den Avantgardisten als Außenseiter, der lange auch wegen seiner literarischen Bildungsansprüche als Konservativer verschrien war.

Tatsächlich ist Reimann, der 1936 als Sohn eines Kirchenmusikers und einer Oratoriensängerin geboren wurde, einer der meist gespielten Komponisten der Gegenwart. Allein sein "Lear" erlebte bislang 30 Produktionen, was für eine zeitgenössische Oper phänomenal ist. Zuletzt wurde 2010 an der Wiener Staatsoper seine Oper "Medea" uraufgeführt.