Berliner Kritiken

Spur des Klangs: Renaud Capucon beweist sich als brillanter Geiger

Die Academy of St. Martin in the fields wurde einst von Neville Marriner in den Weltruhm hinauf dirigiert. Inzwischen hat sie sich jeder musikalischen Leitung entschlagen. Sie wählt sich hervorragende Solisten und lässt sie im Nebenher auch dirigieren, wie an diesem Abend im Konzerthaus den ausgezeichneten Geiger Renaud Capucon.

Wenn Capucon sein edles Instrument nicht gerade am Kinn hält, schlägt er mit der nackten Rechten halbwegs spektakulär ein bisschen den Takt. Aus der Traum! Er hätte es auch lassen können.

Mozarts jugendfrisch angekichertes 1. Violinkonzert KV 207 schießt mit seinem effektvollen Presto am Schluss natürlich imponierend über die Rampe, aber mit dem vorangehenden Adagio wissen die Spieler nicht viel mehr anzufangen, als die Noten säuberlich abzuliefern. Das freilich genügt nicht, so kultiviert Capucon auch seinen Part zu intonieren versteht.

Bevor sich das Orchester zwei Tschaikowsky-Bearbeitungen zuwandte, spielte es, mit Capucon, jetzt auf dem Platz des 1. Konzertmeisters, die "Metamorphosen" von Richard Strauss. Ein Spätwerk, ein Stück der letzten Stunde. Lebensklage und kriegsbedingte Weltuntergangsängste vereinen sich zu einem Gesang der Ewigkeit. Melancholie und Trauer, Geständnisse der allerpersönlichsten musikalischen Art verschränken sich ergreifend und wachsen zu einem Meisterwerk zusammen, wie es selbst Richard Strauss nicht alle Tage gelang. Es singt sich aus der bösen Welt ringsum nachdenklich einem schöneren Jenseits entgegen: Musik als Zuflucht Hoffnung und Trost. So auch verstand sie die Academy of St. Martin anrührend zu servieren.