Berliner Kritiken

Spur der Liebe: Romeo trifft auf eine Julia mit viel Sexappeal

Der Romeo-und-Julia-Stoff hat viele Variationen erlebt, umso schöner, dass sich Bruno Cathomas im Potsdamer Hans Otto Theater fast altmodisch wieder auf den Kern der Sache konzentriert: Die Liebe. Die ganze Veroneser Adelsmischpoke: Rausgeschmissen, samt ihrem Fürsten.

Dass Romeo und Julia zwei verfeindeten Familien entstammen und ihre Liebe deshalb unmöglich ist, wird nur behauptet. Bruno Cathomas hat das Original einerseits um eine gefühlte Hälfte eingekürzt, andererseits aber auch ergänzt mit einem bunten Zitate-Potpourri aus einschlägig bekannten Quellen zum Thema, als da wären: das Hohe Lied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief oder Zeilen von Deutschlands populärstem Populärphilosophen Richard David Precht und Zelluloid-Zitate aus Hollywood.

Als Conférencier d'Amour führt durch diesen Abend Pater Lorenzo (René Schwittay) von seiner rumpeligen Klause am rechten Bühnenrand, er gibt den Liebesphilosophen. Juliane Götz ist als Julia eine tolle Besetzung: ein zartes mädchenhaftes Wesen, aber kein Kind mehr, in ihrer rauen Stimme schwingt ordentlich weiblicher Sexappeal mit. Eddie Irle dagegen bleibt als Romeo farblos, "Schmusebold" wird der von seinem Freund Mercutio mal genannt, das trifft's.

Was die Inszenierung insgesamt problematisch macht, ist, dass Cathomas und seine Darsteller nicht immer das richtige Maß finden: Ja, es ist romantisch, wenn Romeo und Julia in einem der 21 gestapelten, fensterartigen Steinbalkone endlich den ihren finden, aber die Szene ist in soviel musikalisches Schmiermittel eingelegt, dass sie droht, davon zu schlittern. Gut gelungen ist dagegen die über die Fremdtexte und über Pater Lorenzo gesteuerte subtile Überführung der Story in die Gegenwart.

Hans Otto Theater , Schiffbauergasse 11, Potsdam. Tel. 0331-981 19 00 Termin: 8.2.