Huxley's

Nouvelle Vage spielt sich kauzig durch die siebziger Jahre

So sah es auch schon auf gewöhnlichen Konzertbühnen um 1980 aus: Das Schlagzeug und der Schemel wurden in der Mitte aufgestellt, Verstärker drumherum gruppiert und Instrumente angeschlossen.

Bass, Gitarre und, je nach Etat, die Heimorgel oder der Synthesizer. Vorn standen die Mikrofone. Es gab buntes Licht von oben und von unten Nebel aus der Trockeneis-Maschine, und der einzige Schauwert war die Band. So halten es auch Nouvelle Vage im Huxley's. Marc Collin bedient ein Tasteninstrument, und Olivier Libaux spielt die Gitarre. An der Rampe winden sich die Sängerinnen, Nedeah Miranda und Mélanie Pain. Gespielt wird "Je Sui Déjà Parti" von Taxi Girl, einer in Frankreich in der Achtzigern bekannten Band. Dann "Master And Servant" von Depeche Mode und "Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn't've)" von den Buzzcocks. Es geht um die alten Songs und um die Musiker, die sich der Songs heute auf ihre Weise annehmen.

Vor sieben Jahren war es durchaus eine überzeugende Geschäftsidee: Collin, Libaux und ein paar Sängerinnen nahmen Stücke aus der Zeit der New Wave auf, im Stil des Bossa Nova, und verkauften ihre tropisch hingehauchten Fassungen unter dem Namen Nouvelle Vague. Sie machten sich über die Gier der Popkultur nach immer neuen Wellen lustig, indem sie die alten Stücke wiederaufbereiteten. Der Witz ging auch auf Kosten der grassierenden Coverbands. Als sie die Verkaufszahlen des Albums registrierten, lieferten sie einen zweiten Teil. Dann einen dritten und zuletzt sogar den vierten: Nouvelle Vague sind kein Projekt mehr, sondern eine Coverband.

So poltern sie im Huxley's kauzig durch die späten Siebziger und frühen Achtziger. Ihre beiden Sängerinnen verwandeln "Blue Monday" von New Order in koketten Kammerpop, und "Too Drunk To Fuck" von den Dead Kennedys in ein proseccoseliges Gutenachtlied. Mélanie Pain trägt ein geblümtes Kleid und tanzt wie ein Schulmädchen. Nedeah Miranda tritt in Unterwäsche auf und fragt, warum die Zuschauer so leise sind. Vielleicht weil es um 1980 aufregender war als die ironische Erinnerung daran. Aber wer kann das heute schon noch sagen?