Philharmonie

Vierhändig mit Barenboim

Nun ist die Staatskapelle zu ihren Konzerten unter Barenboim glücklicherweise wieder dahin zurückgekehrt, wohin sie gehört: in die Philharmonie und nicht ins Schiller-Theater.

Als Gast am Klavier konnte man wieder den unvergleichlichen Yefim Bronfman hören, diesmal spielte er das 2. Klavierkonzert von Bartók, als Zugabe gemeinsam mit Barenboim vierhändig ein bezauberndes Stückchen aus den "Kinderspielen" von Georges Bizet.

Bartóks Konzert ist natürlich alles andere als ein Kinderspiel. Allein schon wie das Presto mitten in das wundervolle Adagio des 2. Satzes hineinrast und an einen pianistischen Autounfall erinnert, den absoluten Kontrollverlust - und dies gleichzeitig unter zuhöchst bewahrter Kontrolle. Bronfman beherrscht dieses Wunderding der Moderne.

Hauptwerk des Abends wurde, wie zu erwarten, Tschaikowskys "Pathétique", rätselhaft und geliebt wie eine musikalische Nofretete. Einen vorweggenommenen Grabgesang wollte man aus Tschaikowskys 6. Sinfonie heraushören. Prompt durchschlich Leonard Bernstein das Lamentoso des Schlusssatzes tränenselig in siebzehn Minuten, Barenboim kommt mit Zwölfen aus. Nichts wird sentimentalisiert. Die "Pathétique" pfeift unter Barenboim auf alle plakative Jenseitigkeit.