Berlinale

Der Klassiker in voller Länge

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Peter Zander

Schon einmal hatte "Metropolis", Fritz Langs legendärer Stummfilm, Uraufführung auf der Berlinale. Und das ist gar nicht so einfach; immerhin kam der Film am 10. Januar 1927 ins Kino; 24 Jahre bevor die erste Berlinale überhaupt stattfand.

Im Jahr 2002 war es dennoch so weit: Da hatte man den Klassiker akribisch restauriert und zeigte ihn in neuer Form und bestechender Bildqualität - als sei er gerade erst gedreht worden.

Nun wird "Metropolis" auf der kommenden Berlinale (11.-21. Februar 2010) noch einmal gezeigt; und wieder als Uraufführung. Denn im vergangenen Jahr wurde, man erinnert sich, im Museo del Cine in Buenos Aires eine Kopie entdeckt, die zwar in schlechtem Zustand, dafür aber fast komplett war. Eine Sensation: "Metropolis" galt bis dahin als Torso. Weil der Film seinerseits nicht sonderlich reüssiert hatte, hatte die Ufa reagiert, wie Produzenten das auch heute noch tun: Sie hatte ihn massiv gekürzt und beschnitten. Als zwei Jahre später der Tonfilm aufkam, interessierte sich sowieso erst mal keiner mehr für Stummfilme. Und als man sich Jahrzehnte später ans Restaurieren machte, musste man mühsam den einen oder anderen Schnipsel aus diversen Kopien zusammensuchen. Dennoch fehlte eine gute halbe Stunde - rund ein Viertel des Films. So wurde der Torso 2002 auch vorgestellt: mit Zwischentiteln, die die fehlenden Szenen erläuterten. Nach dem Fund in Buenos Aires mussten die Restauratoren nun wieder ran. Von der halben Stunde sind rund 25 Minuten wieder da: "Metropolis" ist damit fast komplett.

Eigentlich, fand kurz nach dem Sensationsfund Rainer Rother, Direktor des Filmmuseums Berlin und auf der Berlinale Leiter der Retrospektive, müsste die uralte, die ganz neue Fassung ihre Uraufführung in Buenos Aires erleben. Das sei man dem Museo del Cine, das die Kopie über Jahre bewahrt hat, irgendwie schuldig.

Das aber ließ sich bald nicht mehr halten. "Metropolis" ist einer der größten, wenn nicht der Berlin-Film schlechthin. Und seine Geschichte ist unweigerlich mit dieser Stadt, in der er mit bis dato nie gekanntem Aufwand gedreht worden ist, verbunden. Deshalb wird er, wie das Festival gestern verlauten ließ, nun - schon wieder - auf der Berlinale gezeigt, knappe 83 Jahre nach der Ur-Uraufführung. Ein grandioses Geburtstagspräsent, feiert das Festival doch im Februar seine 60. Ausgabe.

Gezeigt wird "Metropolis" am 12. Februar in einer Gala-Vorführung im Friedrichstadtpalast, mit der Originalpartitur von Gottfried Huppertz, live gespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Alle Cinephilen dieser Welt dürfen sich also freuen. Bleibt nur die Frage, warum man das Meisterwerk nicht gleich einen Tag früher zeigt: Dann wäre er der Eröffnungsfilm gewesen. Gewiss, "Metropolis" dürfte mit heutiger Projektionsgeschwindigkeit weit über zweieinhalb Stunden dauern, und bei der Eröffnung müssen noch staatstragende Reden gehalten und die Jury vorgestellt werden. Ein 60-Mann-Orchester wäre womöglich auch schwer unterzubringen gewesen im Berlinale-Palast. Und doch: Der Fund der letzten "Metropolis"-Szenen kommt, so hatte es Rother im vergangenen Jahr formuliert, "einem Sechser im Lotto" gleich. Für eine solche filmhistorische Sensation wäre der Eröffnungsabend durchaus angemessen gewesen.