Konzert

Sir Simon Rattle lässt die Philharmoniker flüstern

Sir Simon Rattle ist für den erkrankten Seiji Ozawa eingesprungen und hatte dessen drei Konzerte übernommen. Anne-Sophie Mutter, wieder einmal zu Gast bei den Philharmonikern, spielte Dvoraks Violinkonzert makellos in der ihr eigenen eleganten und gleichzeitig etwas kühlen Manier.

Die beiden Eingangssätze schließen sich wie aus einem Guss zu einem einzigen zusammen. Den großen, aufflammenden Schlussjubel fängt der virtuositätstrunken dahingaloppierende Finalsatz ein. Frau Mutter gab ihm mit leichter Hand angemessen die Sporen.

Begonnen hatte Rattle sein Konzert mit Faurés musikalischer Dichtung zu Maeterlincks "Pelléas und Mélisande": dem feinen Hinhorchen auf die jenseitige Geisterwelt, in der sich Realität und Imagination unauflösbar mischen. Das klang in Faurés rechtschaffener kompositorischer Nachdichtung anrührend auf.

Seinen Höhepunkt erspielte sich das Konzert aber mit der 2. Sinfonie von Robert Schumann, die einst Mendelsohn Bartholdy als Dirigent in Leipzig aus der Taufe gehoben hatte: der ehrgeizige Versuch Schumanns, als Symphoniker Anerkennung zu finden. Dazu hatte er sich noch einmal, rührend geradezu, gründlich in den großen Bach vertieft und ließ ihn nachdrücklich in das Adagio espressivo des 3. Satzes hineinflüstern, von Sir Simon allerdings bis an die Schwelle zur Unhörbarkeit herabgedämpft. Doch sonst zeigte sich Rattle bei seiner Darstellung der C-Dur-Sinfonie stärker zuhause als bisher bei der Interpretation klassisch-romantischer Meisterwerke.