Fusion

Mehr Aufborn als Eichbau

Pressekonferenzen, so dachte man zumindest bis zum gestrigen Tag, folgen einer etwas eingefahrenen, aber doch schlüssigen Anordnung: Das Wichtigste wird zuerst verkündet, dann darf jeder auf dem Podium sein Statement vortragen und irgendwann gibt es Schnittchen für alle. Einen neuen Weg beschritten die Herren gestern in den Räumen des Aufbau Verlages in Kreuzberg.

42 Minuten waren vergangenen, vier Männer hatten über die Chancen einer Vertriebskooperation, die Lage des Buchhandels im allgemeinen und die bösen großen Handelsketten wie Thalia im besonderen geplaudert, bis Matthias Koch das Wort ergriff. Matthias Koch ist Immobilienentwickler und ihm gehören 75 Prozent des Aufbau Verlages. Er rettete den ostdeutschen Renommierverlag vor zwei Jahren aus der Insolvenz, und nach einigen fröhlichen Floskeln verkündete er plötzlich: "Es ist keine Notheirat, es ist eine Liebesheirat. Die beiden Unternehmen haben einen Letter of Intent (Absichtserklärung) verfasst, dass sie eine Fusion anstreben."

Ach wirklich? Indem die Verlage für ihre geplante Zusammenlegung eine ungewöhnliche Dramaturgie wählten, wurde es danach einigermaßen turbulent. Stephan Gallenkamp, der Vorstand der Eichborn AG, verwies darauf, dass die Minderheitsaktionäre noch gar nicht gefragt worden seien und es noch diverse juristische Hürden gebe, weil beide Unternehmen eine unterschiedliche Rechtsform haben. Aber unterstütze er als Vorstand die Pläne seines Hauptgesellschafters natürlich, auch, wenn er ja nun wirklich zur Vorsicht mahnen müsse. Also eher die Liebesheirat einer vorsichtigen Braut.

Hauptgesellschafter ist Ludwig Fresenius, der gut 75 Prozent an der Eichborn AG hält und immer wieder betonte, wie sehr er an dem Verlag hänge und er ihn nicht an einen großen Konzern hätte verkaufen wollen. Von denen hätte er immer wieder Angebote bekommen, aber er wollte sich nicht trennen. So weiter machen wie bisher könne Eichborn aber auch nicht. Dazu fehle dem Verlag die erforderliche Größe. Seit zwei Jahren würde Eichborn mit Aufbau verhandeln. Was auch auf eine zähe Annäherung schließen lässt.

So wie Matthias Koch vorpreschte und die Eichborn-Mannschaft sich rechtfertigte und bremste, will man nicht recht glauben, dass dort eine Fusion zwischen Gleichen entstehen könnte. Nicht nur, dass so eine Fusion seit dem Desaster zwischen Daimler und Chrysler ohnehin aus der Mode geraten ist. Auch dass der mögliche gemeinsame Sitz Berlin sein wird, spricht dafür, dass Aufbau der Koch und Eichborn der Kellner sein wird. Die Umsätze sind ungefähr gleich: Für 2011 strebt der Verlag aus Berlin 14 Millionen Euro an, der aus Frankfurt elf Millionen. Von Aufbau weiß man nur, dass 2010 nicht sonderlich gut gelaufen ist, von Eichborn ist bekannt, dass sie das vergangene Jahr mit einem Verlust abgeschlossen haben.

Fest steht, dass die beiden Firmen im Vertrieb ab Jahresmitte miteinander kooperieren werden. Davon versprechen sie sich, dass sie bei den starken Handelshäusern eher vorgelassen werden. Wie nahezu alle kleineren und mittelständischen Verlage beklagen auch Aufbau und Eichborn, wie schwer es für ihre Buchhändler sei, ihr Sortiment in den großen Ketten zu platzieren. Zuweilen werden sie gar nicht vorgelassen. Da mit dem Schritt wohl auch einige Buchvertreter ihre Arbeit verlieren werden, dient er auch der Kostenkürzung.

Im Mai wird die Belegschaft des Aufbau-Verlages in den Neubau an den Moritzplatz ziehen. Am Donnerstagnachmittag wurden auch die Eichborn-Beschäftigten informiert, dass es zu einem Umzug nach Berlin kommen könnte - und das noch in diesem Jahr. Der Plan "stieß nicht auf Begeisterung", berichtete Eichborn-Chef Gallenkamp. Der verließ dann, wie auch die restlichen Manager, recht hurtig das Haus des Aufbau-Verlages. Für Schnittchen fehlte allen die Zeit.