Kunst

C/O Galerie steht wieder vor dem Nichts

Sturm im Wasserglas oder bewusste Verschleppungsstrategie der Investorengruppe? Zum Eröffnungstag der großen New Yorker Mapplethorpe-Retrospektive am gestrigen Freitag sollte eigentlich eine gute Nachricht die vorläufige Zukunft der Fotogalerie C/O sichern: die Verlängerung der Zwischennutzung bis zum 31. Dezember 2012 im alten Postfuhramt an der Oranienstraße.

Das wäre für die erfolgreiche Institution ein gangbarer Weg gewesen, Zeit genug, um endlich ein dauerhaftes, auch geeignetes Domizil zu finden, nachdem das Gebäude in Mitte an die Investorengruppe Elad aus Tel Aviv verkauft worden war. Doch aus und vorbei. Einen Tag vor der Pressekonferenz, kurz vor Mitternacht, kippte Elad die mündlich vereinbarte "Konsensvariante", die doch wohl zu "unverbindlich und weich" gewesen sei, so C/O-Mitgründer und Architekt Ingo Pott. Die Formulierung weißt schon darauf hin, dass es wohl nur einen klitzekleinen gemeinsamen Nenner in puncto Zwischennutzung gab. Elad will ein Hotel und eine Einkaufszeile bauen und C/O den laufenden Ausstellungsbetrieb möglichst ungestört abwickeln. Da geht es um Teilumzüge innerhalb des Gebäudes, um Abgabe von Räumen, um viel Baulärm und dicke Planierraupen. Ohnehin sei der Verhandlungsmarathon hart gewesen, hätte sich über sieben Monate hingezogen. Und offenbar reichte selbst die juristische Rückendeckung durch den Berliner Kultursenat nicht aus. Da musste selbst Barbara Kisseler, Chefin der Senatskanzlei, zugeben, dass der Umgang mit dem Investor ein "klein bisschen schwierig ist". Man sei nach wie vor gesprächsbereit, "werde alles tun, um endlich Nägel mit Köpfen" zu machen.

Nun gilt also wieder der alte Vertrag, der sieht einen Auszug zum 31. März vor. Jetzt wird es eng für C/O. Ein "Notfall-Szenarium" gibt es nicht. Gerade erst wurde die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße, die C/O als Idealstandort im Auge hatte, von der Gemeinde an den Galeristen Michael Fuchs und das Grill Royal-Team vermietet. Ein anderer Umstand erschwert die Suche, zentral gelegene Immobilien im Besitz des Landes werden rar, und eine weitere Alternative, das Gelände mit den ehemaligen Ateliers der Kunsthochschule Weißensee im Monbijou-Park scheint nun auch keine Option mehr zu sein. Der Bezirk Mitte zieht dort eine großflächige Begrünung einer kulturellen Nutzung vor.

Trotz des grotesken Hin und Her, C/O macht weiter wie gewohnt, zehn Jahre ist die Galerie alt, und es geht ihr wirtschaftlich noch nie so gut wie jetzt. Die internationalen Ausstellungen mit Annie Leibovitz und Peter Lindbergh schlossen mit Rekordzahlen. Und schließlich sind die Location-Scouts ständig unterwegs, einen Joker gibt es noch - das alte Telegrafenamt in der Nachbarschaft. Wie sagte Barbara Kisseler so schön: "Die Hoffnung stirbt nie, besonders in Berlin."