Panorama

Beobachtungen für den modernen Stadtneurotiker

Nächstenliebe ist erstes Gebot, doch mitunter fällt sie wirklich schwer. Lärmende Nachbarn, aufdringliche Restaurantbesucher und übel riechende Hintermänner an der Kasse erschüttern unseren Glauben an das Gute im Menschen jeden Tag aufs Neue.

In pointierten Skizzen beschreibt Reinhard Mohr moderne Plagegeister quer durch alle sozialen Schichten: von den Thirtysomethings am Prenzlauer Berg, die bewaffnet mit Laptop und "Latte" ihr Wohnzimmer in die Öffentlichkeit ausdehnen, bis hin zu Straßenbiertrinkern und den allgegenwärtigen Panflötencombos. Mitreisende, die im ICE am Handy vor aller Ohren ihre Beziehungsprobleme ausbreiten, sind ihm ebenso ein Graus wie "Kampfmütter", die mit ihrem klugen Nachwuchs lautstark jede Eiskugel ausdiskutieren. Ob Straßenevent oder Reality-Show: Hinter all dem erkennt der Soziologe Mohr mangelndes Bewusstsein für Distanz und ein "Programm solipsistischer Selbstverwirklichung" auf Kosten anderer. Seine klugen, witzigen Betrachtungen bieten geplagten Stadtneurotikern Trost und Zuspruch.

Reinhard Mohr: Meide deinen Nächsten. Wjs, Berlin. 147 Seiten, 14,90 Euro.