Ausstellung

Etwas Irrwitz ist nie verkehrt: Die Ideen des Sammlers Majerus

Was bewegt einen zu sammeln? Patrick Majerus überlegt. "Entweder man ist Sammler oder nicht." Schnell wird klar, dass dieser nicht an schierer Dekoration interessierte junge Mann nicht anders kann.

Seit einigen Jahren kommt der 35-jährige Luxemburger regelmäßig nach Berlin und von der Droge Kunst nicht weg: "Egal, was man sammelt. Es muss wirklich sein."

Eine kristalline Pyramide in den Kunstsaelen kommentiert er lapidar: "Fünf Stunden Arbeit." Der schimmernde Berg auf dem Parkett in den Kunstsaelen besteht aus zermahlenen Wodkaflaschen, einst 750 Kilogramm schwer, und stammt von Alicja Kwade. Es ist das erste Mal, dass Majerus (der mit dem 2002 tödlich verunglückten Maler Michel Majerus nicht verwandt ist) einen öffentlichen Einblick in seine Privatsammlung gibt. Intellektuell inspirierend und gleichzeitig sinnlich wirkt sie, profund und sehr persönlich auch. "Alle meine Künstler sind Freunde und ich kenne die Arbeiten schon, bevor sie in Galerien landen."

Der Bildhauer Alexej Meschtschanow, der von Klemm's in der Brunnenstraße vertreten wird, schneit herein. Von ihm stammen das verschraubte Babyporträt an der Wand und ein imposantes altes "Buffet", dessen Füße in seltsamen Halterungen stecken. "Ich bin der Meinung, dass die bürgerliche Einrichtung nicht mehr funktioniert und eine Korsage braucht", erklärt Meschtschanow. Der Künstler besitzt Schalk und paart Irrwitz mit einem Gewaltaspekt, der sich einprägt. Majerus jüngster Kauf: "Verschwinden", eine Arbeit aus Lösch-Papier von Michael Müller. Unter dem Einfluss von Licht wird sie sich verändern. Sie symbolisiert den Prozess, der uns alle begleitet: Wandel und Verlust. In Zukunft wird er das Schaffen auch dieses Künstlers begleiten. Das Werk von acht Künstlern verfolgt er - Neuzugänge nicht ausgeschlossen.

Kunstsaele , Bülowstr. 90, Schöneberg. Bis 29. Januar 2011. Mi-Sa 11-18 Uhr.