Museen

Bauhaus-Archiv ist so beliebt wie nie zuvor

Kleinen Museen muss es nicht unbedingt schlechter gehen als den großen Häusern, die mit spektakulären Schauen aufwarten und für Schlangen vor der Tür sorgen. Das Bauhaus-Archiv am Landwehrkanal, entworfen von Walter Gropius, feierte 2010 sein 50. Jubiläum und erzielte mit 100 000 Gästen die höchste Besucheranzahl in der Geschichte seines Bestehens.

Das Erfolgsrezept des "Laboratoriums der Moderne": die gute Mischung aus Sonderpräsentation, Dauerausstellung und Museumsshop. Erfolgreich war ebenso die Jubiläumsschau "Modell Bauhaus" im Jahr davor im Martin-Gropius-Bau mit 166 000 Besuchern, die anschließend ins Museum of Modern Art (MoMA) nach New York ging. Dort sahen 400 000 Menschen die facettenreiche Schau, die von den drei Bauhaus-Institutionen Berlin, Dessau und Weimar gemeinsam konzipiert worden war. "Das zeigt, wie groß das Interesse am Bauhaus 90 Jahre nach seiner Gründung ist, wie aktuell seine Themen und wie international das Phänomen ist, das weit über das deutsche Erbe hinausgeht", so Annemarie Jaeggi, Chefin des Berliner Hauses. Bedingt sei das auch durch die Exilsituation vieler Bauhäusler. Diese internationale Kooperation führte dazu, dass die drei Bauhäuser künftig noch mehr Projekte zusammen auf die Beine stellen wollen.

Jüngstes Projekt ist die gemeinsame Website, die zu einer zentralen Anlaufstelle in eigener Sache werden soll. Unter www.bauhaus-online.de präsentiert die Trias zweisprachig historisches Wissen, aktuelle Beiträge, Service und Termine. Ein breit angelegter "Atlas" stellt zudem Persönlichkeiten, Orte und Arbeiten des Bauhauses mit zahlreichen Links vor.

Das nächste Projekt der drei Bauhäusler ist in Planung. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Reiseführer zu den Bauhaus-Stätten Berlin, Dessau, Weimar. Das hört sich erfolgversprechend an, zumal sich die Popularität des Bauhauses eben daraus speist, das es zwischen Hochkultur und angewandter Kunst verschiedene Interessensgruppen anspricht. Im Olympiajahr 2012 wird es einen prominenten Auftritt im Kulturzentrum Barbican in London gegeben. Als kultureller Botschafter Deutschlands sollen die drei Bauhäuser, so der Plan, 400 Leihgaben an die Themse schicken, die Wirkung und Geschichte der Avantgardebewegung transparent machen.

Indes plagt das Berliner Bauhaus-Archiv weiterhin die Platznot, mit knapp 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist es längst zu klein für die umfangreiche Kollektion, zudem fehlen Räume für Museumspädagogik. Der Erweiterungsbau steht in den Sternen - die Finanzierung trägt der Senat. Kommentar von Annemarie Jaeggi: "Klaus Wowereit braucht das Geld für seine Kunsthalle. Man kann nicht immer nur das Neue fördern, auch die etablierten Institutionen müssen gefördert werden"