Theater

Dokumentarischer Ausflug in die Welt des Grauens

Der Tsunami ist Schuld: Als er 2004 tausende Menschen in den Tod riss, verdrängte er den Konflikt in Darfur aus den Schlagzeilen. Hans-Werner Kroesinger, Experte für politisches Dokutheater, holt das mediale Versäumnis jetzt nach: In "Darfur - Mission Incomplete" ballert er dem Publikum im HAU 3 zweieinhalb Stunden lang Jahres- und Totenzahlen um die Ohren, dass einem schwindlig wird.

Natürlich hat das Methode. Denn zum einen fügen sich die unverständlichen Bruchstücke aus den Nachrichten hier zu einer Chronologie, wird deutlich, wie viele Konfliktherde im Sudan schwelen, welche Nachbarländer welche Interessen verfolgen und wie deutsche Firmen davon profitieren. Zum anderen verschwimmen die Kategorien von Gut und Böse, weil der Wissenszuwachs die Konflikte als unlösbar erscheinen lässt.

Der Abend besitzt den Charme einer Vorlesung. Wer sich ein paar Sekunden geistige Abwesenheit leistet, fliegt aus der nächsten Verständniskurve. Auf der Bühne hingegen geschieht wenig, vor allem merkwürdig naiv Illustrierendes: Da bauen Nicola Schößler und Armin Dallapiccola mit Mülltüten, Lebensmitteln und Minipalmen eine Wüstenlandschaft, um sie dann Stück für Stück wieder zu zerstören. Judica Albrecht und Lajos Talamonti werfen als eine Art Manager-Paar mit Gummibärchen, dazu wispern wie von Geisterhand betriebene Perkussionsgeräte. Es bleibt das erschlagende Gefühl der Hilf- und Ratlosigkeit - und der Eindruck, dass das Thema in einem Dokumentarfilm besser aufgehoben wäre.

HAU3 , Tempelhofer Ufer 10, Kreuzberg. Tel. 25 90 04 27. Termin: 17. und 18.1., 20 Uhr