Konzert

Sinfonischer Ausflug in die Welt des Imponiergehabes

Man hat es sich angewöhnt, in der 5. Sinfonie Bruckners den majestätischen Höhepunkt im Gesamtwerk des Meisters zu sehen. Die B-Dur-Sinfonie ertrinkt oder erstickt geradezu an der eigenen Kunstfertigkeit.

Das gibt ihr ein Imponiergehabe, das ihre formalen Verdienste geradezu unterbuttert, und dies umso mehr, als man willens ist, sie ins blendende Scheinwerferlicht der Interpretation zu stellen, obwohl die Akustik des Konzerthauses dabei nicht mitspielt. Die zwanzig tadellosen Blechbläser des Konzerthausorchesters legen sich trotzdem bis zum Bersten ins Zeug. Eliahu Inbal, zurückgekehrt ans Gendarmenmarkt-Pult, leitet sie und ihre Streicher-Kollegen mit sicherer und herausfordernder Hand.

Was sie kündet, ist ebenso bewunderungswürdig wie deprimierend. Bruckner scheint seine treueste Gefolgschaft an Gustav Mahler verloren zu haben. Drei Konzerte mit Bruckners geradezu heilig gesprochener Fünfter sind angesetzt. Schon das erste von ihnen war allerdings eher mäßig besucht. Im Gegensatz zu Bruckner greift Mahler schließlich nicht einzig nach Kontrapunkten, sondern nach den Seelen seiner Zuhörerschaft. Und das erwartet er auch von seinen Dirigenten.

Dafür aber ist der zurückhaltende, geradezu neutrale Inbal nicht der richtige Mann. Es setzt reichbesetzten kunstvollsten Leerlauf. Inbal zieht das Werk mit handwerklich ruhiger, selbstsicherer Hand ohne jede innere Erschütterung hoch. Erst im Finale feuert er Bruckner mit Hilfe seiner genialischen Bläserkohorte dorthin hinauf, wohin er gehört: ins unwiderstehlich Gloriose.