Konzertkritik

Cellist Yo-Yo Ma kehrt mit Schostakowitsch nach Berlin zurück

Geschlagene fünfzehn Jahre lang war Yo-Yo Ma (55) nicht mehr zu Gast bei den Philharmonikern. Jetzt spielt er mit ihnen gleich viermal hintereinander das 2. Cellokonzert von Schostakowitsch, meisterhaft begleitet dabei von David Zinman (75), dem Dirigenten der Zürcher Tonhalle, dem überdies ein überraschend abwechslungsreiches Programm zu danken war.

Es begann mit einer Uraufführung des Schweden Anders Hillborg, einem gemeinsamen Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, der Zürcher Tonhalle und des Finnischen Radio-Symphonieorchesters. Hillborgs "Cold Heat" entwirft ein machtvolles, durchaus suggestives musikalisches Bild. Es beginnt mit einem lebhaft suggestiven Vogelgeschwirr der Holzbläser über ruhigen Streicherpassagen, das auf Anhieb gefangen nimmt. Auch weiterhin weiß Hillborg kompositorisch zu fesseln, ohne sich dabei je in die Fesseln irgendwelcher Doktrinen zu legen. Auch Carl Nielsens 5. Sinfonie, vom Pathos des 19. Jahrhunderts in das des 20. hinüberwandernd, bestätigte sich als unbekanntes, weil zu Unrecht vernachlässigtes Meisterwerk. Die Sinfonie erweist sich als eine Musiktragödie in zwei Akten.

Aber natürlich rückte sich Yo-Yo Mas Auftritt dorthin, wo er zu Recht stand: ins Zentrum des Abends. Schostakowitsch besingt in seinem 2. Cellokonzert den eigenen Lebensabschied. Der klingt im breiten, einleitenden Largo geradezu verführerisch auf. So etwas wie Sterbensseligkeit breitet sich auf die denkbar natürlichste Weise aus. Später tanzen ihr ranschmeißerische Allegretti auf der Nase herum, bis am Ende unter etwas peinlichen musikalischen Tränenströmen das Stück, wie das Leben des Meisters, verhaucht. Das ist schon von einiger fehllaufender Penetranz.