Lessinglocke

Neues von Nathan dem Weisen

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) ist so etwas wie der Ober-Aufklärer in Deutschland. In 40 Sprachen wurde das Werk des Dichters übersetzt. Sein Drama "Nathan der Weise" war lange Pflichtlektüre an Schulen.

Lessings Wurzeln liegen in Kamenz in der sächsischen Provinz. Ab 31. Januar eröffnet hier das bundesweit einzige Lessing-Museum seine neue Dauerausstellung. 1984 hatte das Museum letztmals seine Ausstellung neu geordnet. "In der Zwischenzeit erbrachte die Forschung neue Erkenntnisse", begründet Museumsdirektorin Sylke Kaufmann den Wechsel. "Es gibt Aspekte in Lessings Leben, die erst in den vergangenen Jahren verstärkt eine Rolle spielten, so seine Italienreise 1775." Damals besuchte er auch Livorno. Die toskanische Stadt war zum Freihafen erklärt worden und ein Ort von seltener Toleranz. Synagoge, Moschee und Kirche - alle waren gleichberechtigt. Heute gehen Forscher davon aus, dass dieser Eindruck zur Initialzündung für den "Nathan" mit seiner Ringparabel wurde.

Und was wäre eine Ausstellung ohne kleine Sensationen: Die Kamenzer haben eine Locke des Großen zu bieten. Zweifel an deren Herkunft hat Sylke Kaufmann nicht. "Die Locke stammt aus dem Besitz von Lessings Stieftochter Amalie König und ist in der Familie weitervererbt worden. Aus diesem Kreis heraus wurde sie uns angeboten", erzählt die Direktorin und geht von einer "relativ klaren Beweislage" aus. Mit Blick auf den Fake bei Schillers Schädel will sie die Haare aber lieber nicht genetisch überprüfen lassen. "Reliquien sollte man nicht mit naturwissenschaftlichen Mitteln untersuchen", lächelt die Museumschefin.