Porträt

Uwe Johnson und die Geschichte hinter seinen Geschichten

Nie wirkte er glücklicher als in New York. Während im fernen Deutschland Schriftsteller gegen die Notstandsgesetze protestierten, führte Uwe Johnson in Amerika das Leben eines Angestellten.

Die DDR hatte er 1959 verlassen, nun ging er auf Distanz zu den westdeutschen Intellektuellen. Ihre politisierte Haltung blieb ihm fremd. Fragen nach seinem schriftstellerischen Programm wich Johnson aus: Er wolle nur Geschichten erzählen. Dabei, so Katja Leuchtenberger, erzählte er immer auch Geschichte. Die Zeit des Nationalsozialismus, die deutsche Teilung, die Rassenunruhen in den USA: All dies hielt er in seinem Werk mit der Präzision eines Historikers fest. Seine Romane, allen voran die großartigen "Jahrestage", zeugten von der Unmöglichkeit, "abseits der Zeitgeschichte zu leben" - so die Biografin, deren Begeisterung ansteckend wirkt.

Uwe Johnson Katja Leuchtenberger. Suhrkamp, Berlin. 158 Seiten, 8,90 Euro.