TV-Kritik: Die fremde Familie (20.15, ARD)

Ehrliches Pflegedrama

Eine alternde Gesellschaft, die mit der Pflege ihrer Senioren überfordert ist, schiebt die Verantwortung gern an die Familien ab: Sollen sich doch bitte schön die erwachsenen Kinder um ihre betagten Eltern kümmern.

Drehbuchautor Daniel Nocke und Regisseur Stefan Krohmer zeigten nun in ihrer Tragödie über häusliche Pflege, wie realitätsfern derlei Forderungen sein können. Katja Riemann nahm als berufstätige Ehefrau Ira ihren kranken Vater zu sich - mit allen Konsequenzen. Sei es nun, dass eine illegale osteuropäische Pflegekraft her musste, weil alles andere unbezahlbar war, oder dass für den wenig sympathischen Alten ein Wannenlift eingebaut werden musste. Der eigentliche Fokus lag aber auf der Belastung für das Familiengefüge. Am Ende war zum einen Iras Ehe mit Marquard (Thomas Sarbacher) zerbrochen, zum anderen waren sie und ihr egoistischer, leider arg eindimensional gezeichneter Vater Robert (Fritz Schediwy) sich in der Not keinen Schritt nähergekommen, wie das in einem Kitschfilm der Fall gewesen wäre. Ein ehrliches, schonungsloses Drama, das ganz gewiss kein Plädoyer für die häusliche Pflege war.