Literatur

Biograf: Luise Rinser hat Teile ihrer Biografie geschönt

Die Schriftstellerin Luise Rinser hat nach Angaben ihres Biografen ihre Biografie während der Zeit des Nationalsozialismus geschönt. Der Schriftsteller Jose Sanchez de Murillo betonte zugleich, dass man die Biografie der Schriftstellerin nicht auf ihre NS-Zeit beschränken dürfe.

Rinser, die im Jahr 2002 im Alter von 90 Jahren gestorben war, habe in ihrem Leben eine regelrechte Bekehrung erlebt.

Rinser, deren Bücher eine Auflage von mehr als fünf Millionen erreichten, war mit ihren politischen Ansichten in der Bundesrepublik zeitweise heftig umstritten. So unterstützte die Schriftstellerin, die sich als Christin, Sozialistin und Pazifistin verstand, Willy Brandt 1971/72 in seinem Wahlkampf, demonstrierte mit Heinrich Böll und Günter Grass gegen die "Nachrüstung" mit Pershing-Raketen und äußerte als Links-Katholikin scharfe Kritik an der katholischen Kirche.

Sanchez, der seit sieben Jahren über Rinsers Leben forscht und demnächst ihre Biografie vorlegen will, räumte ein, dass "Luise Rinser auch mitgemacht hat in der Nazi-Zeit". 1935 hatte sie ein Lobgedicht auf Hitler veröffentlicht. Laut Sanchez gab es auch, anders als von der Schriftstellerin behauptet, in der Nazizeit kein Publikationsverbot gegen sie. Rinser sei mit Blick auf die Ehrlichkeit gegenüber ihrer eigenen Biografie kein Vorbild gewesen, sagte Sanchez.

( KNA )