Berliner Kritiken

Diese Teenies wollen nur spielen

Das Engagement für Jugendorchester wird in der Regel unter dem knappen Stichwort "Pädagogik" abgehandelt. Man eröffnet jungen Musikern die Möglichkeit, sich erstmals und halbwegs professionell zu erproben, man holt auch Menschen ins Klassik-Konzert, die unter zwanzig sind, man leistet unverzichtbare Basisarbeit.

Das alles ist wahr und wichtig. Aber wenn kein künstlerisch relevantes Ergebnis dabei erzielt wird, doch nur ein halber Erfolg.

Der Dirigent Andreas Peer Kähler und seine Deutsch-Skandinavische Jugend-Philharmonie haben jetzt wieder einmal überzeugend bewiesen, dass Pädagogik und Niveau keine Widersacher sind. Was das Orchester, bestehend aus jungen, großenteils sehr jungen Musikern, in der fast ausverkauften Philharmonie zustande brachte, konnte sich wirklich hören lassen.

Die 1. Symphonie des Norwegers Johan Svendsen, uraufgeführt 1868 in Leipzig, ruhte zwar auf einem etwas schütteren Bassfundament, doch behob Kähler diesen typischen Mangel von Teenietruppen bereits nach der Pause mit Svendsens Ouvertüre "Romeo und Julia" und Prokofjews Ballettmusik zum gleichen Drama. Arrangements für Big Band ließen es gehörig knacken. Die erstaunlichste Leistung aber bestand in der Dynamik, dem gewöhnlich zweiten großen Schwachpunkt junger Formationen; den Violinen gelang, vor allem im Andante der Svendsen-Symphonie, ein wunderbar aufblühendes Melos. Die Fehlerquote war erfreulich gering.

Arbeiten wir gleich noch die vierte Gefahrenquelle ab: das Tutti-Forte, also alle gleichzeitig laut. Hier schepperte es streckenweise gewaltig. Was nichts am Fazit ändert: Kähler hat die achtzig jungen Musiker, die erstmals zusammen spielten, innerhalb kürzester Zeit auf ein hohes Niveau gebracht.

Angesichts dieser künstlerischen Leistung hätte man auf Unterhaltungseinlagen wie Tanz und Moderation ruhig verzichten können.