Ausstellungen

Götter auf der Museumsinsel

Ein besonderes Jubiläum gibt es 2011 in Berlin: die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel, die auf Entwürfe Stülers zurückgeht, feiert ihre Gründung vor 150 Jahren. Ab 22. März ist dort die Präsentation mit dem schlicht-nüchternen Titel "150 Jahre Nationalgalerie - Die Anfänge" zu sehen.

Im Unterschied zu anderen Berliner Museen ging die Nationalgalerie nicht aus einer königlichen Sammlung hervor, sondern hatte ihren Ursprung in der Privatkollektion des Berliner Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wageners. In immerhin 45 Jahren trug er 262 Gemälde zusammen, die er dem König vermachte in der Hoffnung, eine "nationale Gallerie" mit "neuerer Malerei" fördern zu können. Im März sollen also jene 140 Gemälde gezeigt werden, die als wichtigste und repräsentativste Werke der wagenerischen Schenkung gelten.

Im Obergeschoss der Nationalgalerie sind heute die Romantiker zu bewundern. "Einsamer Baum" und "Mondaufgang am Meer" von Caspar David Friedrich - auch diese Gemälde gehören zum Vermächtnis Wageners. Der Erwerb von Schinkels "Gotischer Kirche auf einem Felsen am Meer" im Entstehungsjahr 1815 bildete den programmatischen Auftakt seiner Sammleraktivität, die sich in den folgenden Jahrzehnten vor allem auf romantische Bestrebungen, Architekturdarstellungen, Landschaften und Historiendarstellungen erstreckte. Ausgefallen: ein Reprint des Kataloges von 1861 soll herausgegeben werden.

Im Pergamonmuseum um die Ecke wird am 28. Januar die Ausstellung "Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf" eröffnet, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Jahrzehntelang galt die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Berliner Sammlung Max Freiherr von Oppenheims nämlich als zerstört. Während einer Orientexpedition im Jahre 1899 hatte der Bankierssohn und Diplomat auf dem Tell Halaf im heutigen Nordost-Syrien einen Fürstensitz aus dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Nach Abschluss der Ausgrabungen kam ein Großteil der spektakulären Funde nach Berlin und wurde nicht - wie vorgesehen - auf der Museumsinsel ausgestellt, sondern 1930 in einer Maschinenhalle präsentiert.

Fast 60 Jahre nach der Zerstörung der Sammlung begann eines der größten Restaurierungsprojekte: die aufwendige Wiederherstellung der monumentalen Steinbilder und Reliefplatten aus 27 000 Fragmenten. Eine Sisyphusarbeit selbst für erfahrene Archäologen und Restauratoren. Sehr persönlich und gegenwärtig hingegen wird es in der Akademie der Künste am Pariser Platz. Deren Präsident, Klaus Staeck, ehrt seinen jüngst verstorbenen Künstlerfreund, den Maler Sigmar Polke ab 13. Januar mit einer privaten "Hommage". Eine Ausstellung, die zu Lebzeiten bereits in Planung war, nun aber ganz anders ausfallen wird. Staeck schaut auf seine 40 Jahre währende Arbeitsfreundschaft mit Polke zurück. Polke produzierte das größte Kontingent seiner Editionen bei Staeck, der ja auch Galerist und Verleger war. Staeck hat für diese Schau seine privaten Archive geplündert. Erinnerungsstücke, Rechnungen, Einladungen, Briefe von Künstlern, großformatige Blätter Polkes und Aufzeichnungen belegen die Arbeitsweise Polkes und geben der Schau einen dokumentarischen Charakter. Skurrile Objekte wie die "Kartoffelmaschine" von 1969 fehlen nicht.

Egal ob Neo Rauch, Gerhard Richter, Max Liebermann und Botticelli: 2011 warten deutschlandweit die Museen wieder mit Ausstellungen berühmter Künstler auf. Deutsche Kunst wird auch zum europäischen Exportschlager. Im neuen Chinesischen Nationalmuseum präsentiert sich die Trias aus den Staatlichen Museen zu Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München vom 1. April an in Peking. Die größte Ausstellung zur europäischen Kunst der Aufklärung, die jemals in Asien zu sehen war, wird dort mit vereinten Kräften geplant. Im Mittelpunkt stehen Kunstwerke, in denen die zentralen Ideen der Aufklärung transparent werden.