ARD-Vorsitz

"Möglicherweise sinken die Rundfunkgebühren"

Wenn die Reform der Rundfunkgebühren in zwei Jahren kommt, wird WDR-Intendantin Monika Piel (59) den ARD-Vorsitz wieder abgegeben haben. Am 1. Januar hat sie diesen Job turnusgemäß vom SWR-Kollegen Peter Boudgoust übernommen. Das neue Gebührenmodell wird allerdings eine zentrale Rolle in ihrer Amtszeit spielen.

Ab 2013 sollen die Rundfunkgebühren nicht mehr pro Gerät, sondern pro Haushalt erhoben werden. Sollte das zu Mehreinnahmen führen, könnte die Gebühr möglicherweise sogar gesenkt werden, sagte Frau Piel. ARD, ZDF und das Deutschlandradio erhalten gut sieben Milliarden Euro jährlich aus der Rundfunkgebühr.

Piels Dienstantritt fällt just in eine Zeit, in der die ARD gerade ihre führende Position an den Kölner Privatsender RTL verloren hat. Trotz quotenträchtiger Sendungen wie Spiele der Fußball-WM, "Tatort" und "Tagesschau". Der Kölner Privatkanal konnte seinen durchschnittlichen Marktanteil im Jahr 2010 um 1,1 Prozentpunkte auf 13,6 Prozent steigern und überholte damit das Erste, das auf 13,2 Prozent kam. Dahinter rangieren das ZDF mit 12,7 Prozent und Sat.1 (10,1 Prozent Marktanteil). Das geht aus der Erhebung der Einschaltquoten vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010 hervor, die die GfK Fernsehforschung im Auftrag der Sender ermittelt. Bei den jüngeren Zuschauern fällt der RTL-Vorsprung allerdings noch deutlicher aus: In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kommt der Sender aus der Bertelsmann-Gruppe auf 18,1 Prozent Marktanteil (plus 1,2 Prozentpunkte). Dahinter liegen abgeschlagen die Konkurrenten ProSieben mit 11,6 Prozent (minus 0,3) und Sat.1 mit 10,7 Prozent (minus 0,1). Die ARD (7,3 Prozent, minus 0,7) und das ZDF (6,7 Prozent, plus 0,4) rangieren in der jüngeren Zielgruppe sogar noch hinter dem Viertplatzierten, dem RTL-Schwestersender Vox, der auf 7,7 Prozent (plus 0,2) kommt.

Zu diesen ernüchternden Zahlen erklärte Piel in einem Gespräch mit dieser Zeitung: "Junge Zuschauer suchen in einem Programm, das sich etwas stärker an ältere Menschen richtet, ungern nach ,Inseln', die vielleicht für sie geeignet wären." Aus ihrer Sicht sollte die ARD "unseren digitalen Kanal Einsfestival stärker für ein junges Publikum ausbauen". Moderate Töne schlug die ARD-Vorsitzende gegenüber den Verlagen an, die das Engagement der ARD in den neuen Medien kritisieren: "Ich möchte unter meinem Vorsitz eine Kooperation mit den Verlagen erreichen. Diejenigen, die journalistische Qualitätsinhalte anbieten, haben eine gesellschaftliche Verantwortung und sollten gemeinsam dafür sorgen, dass diese Qualität erhalten bleibt".

Die ARD-Vorsitzende hält beispielsweise die Einführung der kostenpflichtigen App der "Bild"-Zeitung "für einen richtigen Schritt". Sie habe Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Medienkonzerns Axel Springer, vorgeschlagen, dass, "wenn die Verleger keine Apps mehr kostenlos anbieten, ich mich in der ARD dafür einsetzen werde, auch die öffentlich-rechtlichen Apps kostenpflichtig zu machen".