Rias-Kammerchor

Philharmonie: Hänger und Wackler beim Neujahrskonzert

Das ist ein schlechtes Omen, wenn die Sopranistin an der Treppe hängen bleibt und stürzt. Es ist auch nicht schön, wenn das Orchester ein paar Einsätze verwackelt.

Aber dramatisch wird es, wenn der Bassbariton plötzlich hörbar erkrankt und seine Partie trotzdem bis zum Ende durchziehen muss. Dann steht ein Abend mit großem Potenzial auf einmal unter einem nervösen Stern.

Die Vorzeichen deuteten klar auf Erfolg. Beim Neujahrskonzert vor drei Jahren feierten der Rias-Kammerchor und die Akademie für Alte Musik einen Triumph mit Mendelssohn Bartholdys "Elias". Dieselben Ensembles widmeten sich nun Mendelssohns früherem Oratorium "Paulus". Chorchef Hans-Christoph Rademann legte sich hingebungsvoll ins Zeug. Nach langen Jahren der Zusammenarbeit wirken die Akademie und der Chor wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Sänger und Instrumentalisten denken, atmen, phrasieren im Einklang. Die Sänger lieben es, das lästernde oder aufgebrachte Volk zu spielen, um dann wieder ätherische Choral-Ruheinseln zu erschaffen. Tenor Maximilian Schmitt singt sich herrlich in Rage, Sopranistin Christina Landshamer steht ihm engelsgleich zur Seite.

Nach den großen dramatischen Höhepunkten des ersten Teils die Aufmerksamkeit wach zu halten, ist für alle Interpreten die große Herausforderung. Rademann setzte die Tempi und Akzente nicht unklug. Es gab viele wunderbare Momente in der Philharmonie. Auch der indisponierte Bassbariton gelangte irgendwie ans Ende. Ein richtig großer Abend gelang unter dem nervösen Stern aber nicht.