Berliner Kritiken

Michael Rother im Admiralspalast

Stell' dir vor, es spielt eine Legende und keiner geht hin. Ganz so dramatisch war es nicht, als Michael Rother im Admiralspalast auftrat, aber die leeren Sitzplätze waren nicht zu übersehen.

Das ist insofern verwunderlich, weil sich bis heute unzählige Musiker auf den spezifischen Stil berufen, den Rother in den siebziger Jahren als Teil der der Bands Neu! und Harmonia mitkreiert hat. Die Leute, die ihm beim Konzert zur Seite stehen, stammen aus New York: Steve Shelley spielt sonst Schlagzeug bei der ewigen Noise-Band Sonic Youth und Aaron Mullan Bass bei der Gruppe Tall Firs.

Man braucht nicht lange, um zu verstehen, warum die Leute nicht in Scharen zu Rother pilgern. Der Hamburger gibt sich keine große Mühe, eine Live-Performance im klassischen Sinn anzubieten. Stur verschanzt er sich hinter einem Pult, auf dem ein Laptop und andere elektronische Geräte platziert sind. Was genau er an der Gitarre veranstaltet, ist nicht zu sehen, weil das Instrument durch das Pult verdeckt wird. Auf visuelle Animation verzichtet Rother ebenfalls. Der Bühnenhintergrund bleibt schwarz.

Die Musiker treten unter dem Projektnamen "Hallogallo 2010" auf. "Hallogallo" ist das erste Stück auf dem Debütalbum von Neu! aus dem Jahr 1972 und Grundlage für das Schaffen der kurzlebigen Gruppe. Nach einem sphärischen Intro setzen sich Shelley und Mullan mit motorischer Gleichmäßigkeit in Bewegung, wobei man dem Schlagzeuger Lob dafür zollen muss, dass er denselben Beat zehn Minuten lang halten kann. Das ist dann schon die aufregendste Erkenntnis des Abends.