Film

"Und Mutti immer mittendrin"

| Lesedauer: 6 Minuten

Auf diese Frau ist Verlass. Das weiß Hollywood seit mehr als 30 Jahren. Egal, in welche Rolle man sie steckt, Jodie Foster weiß immer zu überzeugen, räumt Preise ab. Und das Publikum liebt sie und ihren herben Charme sowieso. Nur eines gab es in der langen Karriere bisher kaum: Filme für die Familie. Am Donnerstag kommt nun "Die Insel der Abenteuer" in die deutschen Kinos. Peter Beddies sprach mit Jodie Foster.

Berliner Morgenpost:

Warum erst jetzt was für die ganze Familie?

Jodie Foster:

Ich wollte schon lange mal so etwas machen. Nicht dass die Menschen noch irgendwann von mir denken, ich sei ein depressiver Mensch, der zum Lachen in den Keller geht. Bin ich aber nicht! Und deshalb war es jetzt an der Zeit, etwas Leichtes für die ganze Familie zu machen.

Man könnte denken, es wäre das erste Mal.

Das erste Mal auf diesem Terrain, das stimmt nicht so ganz. Denken Sie an die Komödie "Maverick". Muss so 15 Jahre her sein. Das war doch lustig, wenn vielleicht auch nicht der größte Film aller Zeiten. Aber mir hat er gefallen. Damals habe ich den Leuten um mich herum gesagt, dass ich das wieder mal machen möchte. Na ja, hat halt ein paar Jahre gedauert, bis ich das richtige gefunden habe.

Würden Sie sagen, Sie haben den Film für Ihre Kinder herausgepickt, um denen zeigen zu können, was Mami so macht?

Nein, ich habe den Stoff nicht speziell gewählt, um sie zu erfreuen. Aber es fällt schon auf, dass sie noch nie einen Film von mir auf der großen Leinwand gesehen haben, dass sie noch nie auf einer meiner Premieren waren. Ich glaube, sie hatten bisher nicht so richtig eine Vorstellung davon, was ihre Mutter tut, um das Essen auf den Tisch stellen zu können.

Nun haben Ihre Kinder den Film gesehen...

...und geliebt. Aber nicht nur das. Sie waren auch bei den Dreharbeiten. Konnten zusehen, wie man beim Film mit Tieren arbeitet, wie die einzelnen Szenen entstehen. Und Mutter immer mittendrin! Das fanden sie schon toll.

Konnten sie damit umgehen, dass Mama so viel Quatsch auf der Leinwand macht?

Na ja, mein großer Sohn hatte damit einige Probleme. Bei der Premiere hat er ja erlebt, dass Menschen laut gelacht haben. Natürlich auch, wenn ich zu sehen war. Auf einmal hat er sich zu mir rübergebeugt und geflüstert: "Mama, die lachen über Dich!" Aber davon mal abgesehen hatten sie an ihrer lustigen Mama schon viel Spaß. Was mich wiederum etwas verwundert hat.

Warum?

Weil sie normalerweise, wenn ich im Auto singe oder manchmal einfach so tanze, die Krise kriegen. Das mögen sie überhaupt nicht.

Weil Sie vielleicht nicht singen können?

Nein, weil sie - wie alle Kinder - es hassen, wenn ihre Eltern etwas tun, worüber sich ihre Freunde kaputt lachen könnten.

Die Menschen gehen ins Kino, um Ihnen dabei zuzusehen, wie Sie Probleme lösen oder mit Schwierigkeiten umgehen. Kann es sein, dass Ihnen all das Ernste etwas zuviel geworden ist?

Stimmt, genau so ist es! Manchmal dreht man einen Film. Man weiß ganz genau, dass die Dreharbeiten nicht mehr lange dauern werden, dass man den Charakter nicht mehr lange aushalten muss. Aber dann stellt man plötzlich fest, dass es immerzu um Angst geht. Und natürlich darum, den Helden in sich zu finden, um überleben zu können. Wenn man das mehr als 20 Jahre macht, aus den 20 dann 30 Jahre werden, kann schon mal die Sehnsucht entstehen, etwas völlig anderes machen zu wollen.

Sehen Sie "Die Insel der Abenteuer" auch als Aufruf an die Kids, mal von ihrem Computer zu lassen und draußen was zu machen?

Nein, so sehe ich das nicht. Wissen Sie, mein großer Sohn ist unglaublich talentiert, wenn es um Computer geht. Man sagt ja manchmal, dass jemand geboren wurde, um Pianist zu werden. So in etwa geht es mir mit meinem Sohn und Computern. Ich muss einfach zugeben, dass diese Generation mit den Computern eine Sprache gefunden hat, die mir verschlossen bleibt. Aber natürlich haben Sie insofern recht, dass gerade kleine Kinder heutzutage Medien nutzen, die sie noch nicht so recht verstehen und dann denken, dass es reicht, sein Laserschwert zu ziehen, um ein Held zu sein.

Also selber ein Schwert basteln.

Klar. Oder selbst in die Natur gehen und zuschauen, wie Dinge funktionieren. Sich nicht darauf verlassen, dass man Dinge häppchenweise erklärt bekommt im Fernsehen oder im Internet. Selber was machen. Aber wir sollten darauf verweisen, dass das hier ein Unterhaltungsfilm ist. Er will keine Revolution anzetteln.

Aber gegen den Appell: "Kümmere Dich um die Natur" ist doch nichts zu sagen, oder?

Nein, überhaupt nicht. Das zieht ja auch immer größere Kreise. Schon von kleineren Kindern hört man, dass wir uns alle um unseren Planeten kümmern müssen, damit sich der Planet um uns kümmert. Das kommt mir manchmal schon wie eine "Zurück-zur-Natur"-Nostalgie vor. Aber das scheint Kinder gerade sehr anzusprechen.

Wie bringen Sie Ihren Kindern die Natur nahe? Rucksack - und dann raus zur Wanderung?

Ja, manchmal kriege ich sie vom Computer weg und dann gehen wir in die Natur. Letztes Jahr waren wir zum Beispiel in Island. Eine der schönsten Reisen, die wir je unternommen haben. Wir haben Wale beobachtet, sind auf Gletscher geklettert. Da gab es keine Häuser. Ich glaube, da haben meine Kinder sehr viel über die Natur gelernt.