Maceo Parker doziert in der Hitze der Nacht

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Wenn man den Etymologen Glauben schenken darf, dann hat der Funk eine anrüchige Vergangenheit.

Wenn man den Etymologen Glauben schenken darf, dann hat der Funk eine anrüchige Vergangenheit. Er leitet sich sprachgeschichtlich nämlich von dem Wort "fumet" ab, mit dem man im alten New Orleans die Geruchsmischung aus Schweiß und Rauch in den einschlägigen Lokalen zu beschreiben pflegte.

So gesehen ist der Funk nach Hause zurückgekehrt. Ins Berliner Quasimodo. Dort fließt der Schweiß in Strömen. Maceo Parker ist schuld. In den vergangenen Jahren war der Altsaxophonist, Funk-Geburtshelfer und Party-Pädagoge mit seinen Shows regelmäßig in den größeren Hallen der Stadt zu Gast gewesen. Nun ist er noch einmal für zwei Abende mit den Seinen in den Club an der Kantstraße eingekehrt.

Zweifellos eine feine Sache für das Publikum. Aus allernächster Nähe kann man beobachten, was da auf der Bühne so alles passiert. Wie etwa der unglaubliche Gitarrist Bruno Speight mit der Präzision einer Nähmaschine sein Instrument bearbeitet und dabei nie sein Pokerface verliert. Wie der Posaunist Greg Boyer zunächst ein seltsames Gummihütchen übers Mikrophon zieht, bevor er mit dem Spielen anfängt - so viel Hygiene muß wohl sein.

Überhaupt haben die acht Herren und die eine Dame auf dem Podium enorm viel Stil. Ungeachtet der Hitze bleiben die Krawatten stets am Hals. Und die Hemden bis oben hin zugeknöpft. Diese professorale Würde paßt gut zu der aktuellen CD Maceo Parkers, die unter dem Titel "School's In!" Bildungsnotstände zu beheben versucht.

Im Quasimodo deckt der inzwischen 63-Jährige unter anderem die wahre Bedeutung von Hamlets berühmtem Monolog auf, den er seine britische Managerin in alberner Kostümierung deklamieren läßt. "To be or not to be - funky" sei die eigentliche Frage, meint Parker.

Um den Lernerfolg zu garantieren, macht er viele Repetitionsübungen mit seiner Klasse im Quasimodo. So ist das nun mal im Funk: alles wiederholt sich, immer und immer wieder. Und dann: eine unerwartete Pause. Die Bridge. Das Solo. Von James Brown hat Maceo Parker - der einst den Sound Browns maßgeblich mitgeprägt hatte - diese unwiderstehliche Dramaturgie gelernt. Und er hat sie perfektioniert. Selbst einen eher routiniert gestalteten Abend wie der Auftakt von Parkers zweitägigem Berlin-Gastspiel verläßt man nach zweieinhalb Stunden glücklich, entspannt und klatschnaß. So soll es sein.

Josef Engels