Wider den Flachsinn

Vor Kleinkunstpreisen kann sich Andreas Rebers kaum noch retten. Virtuos verbindet der Wahlmünchner Landleben und Großstadthysterie.

Vor Kleinkunstpreisen kann sich Andreas Rebers kaum noch retten. Virtuos verbindet der Wahlmünchner Landleben und Großstadthysterie. Vor dem Erfolg stand für den studierten Pädagogen jedoch lange und zähe Arbeit.

Nein, Kult werden Andreas Rebers' Figuren vermutlich nie. Dafür sind sie einfach zu komplex. Zu subtil. Auf den ersten Blick Kleinbürger, Spießer in Doppelhaushälften, Wertkonservative in geistiger Trachtenjoppe oder deutschtümelnde Hobby-Blockwarte, entpuppen sie sich doch allesamt als subversive Opposition. Gegen den täglichen Flachsinn, gegen nie hinterfragte Konventionen. "Nichts ist spannender als eine Figur, die immer wieder vor den Kopf stößt und Erwartungshaltungen durchbricht", weiß der 48jährige Kabarettist. Wie sein schon legendärer Fliesenleger, der sich auf die "Kunst der Fuge" versteht, der "aus jeder Ecke eine runde Sache macht".

Seine skurrilen Miniaturen, boulevardesken Dramen und schrägen Typen bescheren dem gebürtigen Niedersachsen und Wahlmünchner gerade einen wahren Trophäenregen. Überaus verdient, denn wie kaum ein anderer verwebt er Landleben und Großstadthysterie, Nord und Süd, scharfkantige Lieder und trockenen Sprachwitz. Dafür gab es in diesem Jahr den Salzburger Stier. Wie so ein Rebers'sches Spannungsfeld aussieht, kann man nun in den Wühlmäusen erleben. Mit dem Solo "Ich mag mich trotzdem" aus dem Jahr 1999. Rebers spielt neue und ältere Programme parallel. Diesmal führt ihn der Abend ins Wirkungsfeld Küche. Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das ganz normale Leben. Und davon hat der Familienvater reichlich erlebt.

Mit 15 Jahren war der studierte Diplompädagoge praktisch schon finanziell unabhängig. Gemeinsam mit seinen Brüdern und der Stimmungskapelle "Los Promillos" betreute er quasi alle Schützenfeste, Feuerwehrvergnügen und Hochzeiten im Weserbergland. Trotz des gewaltigen musikalischen Betätigungsfelds sollte es eine ganze Weile dauern, bis Rebers seine künstlerische Berufung fand. Noch spielte er auf einer zweimanualigen Elektroheimorgel und hatte das Akkordeon, seine "Strapsmaus" noch nicht entdeckt. Das änderte sich mit Mitte zwanzig. Und 1989 war er bereits musikalischer Leiter des Schauspiels am Staatstheater Braunschweig. Kein Job mit Zukunft für ihn: "Im Sprechtheater ist die Dreigroschenoper das höchste der Gefühle. Dann kommt lange Zeit nichts", sagt er. Also schrieb er kleine Revuen für Schauspieler. Trat schließlich selbst auf und stellte fest: "Musik als Medium reichte mir nicht aus. Ich habe immer gesungen und geredet. Wenn ich mich verspielte, habe ich das kommentiert." Georg Kreisler war ihm dabei näher als Wolf Biermann. Seine ersten Erfolge feierte er denn auch mit einer Liedermacher-Parodie. Auch heute noch mag er vor allem die Wiener Kabarettisten, "weil sie über Menschen und nicht über politische Details sprechen. Dieses Gewerkschaftskabarett ging mir immer sehr auf den Zeiger."

1997 holte ihn dann Henning Venske in die Bayernmetropole. Er wurde Mitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, kehrte dem Traditionsbetrieb aber bald den Rücken und wandelte mit "Schluß mit lustig" auf Solopfaden. Eine Satire ohne Happy-End. Sein Nachbar Bruno Jonas sagte: "Mach' halt mal ein Programm, das die Leute mögen, damit sie einen Grund haben zu kommen."

Rebers nahm sich die Worte seines prominenten Freundes zu Herzen, war aber dennoch relativ unglücklich, weil er dachte, er käme nicht an: "München ist mit Abstand das zäheste Pflaster fürs Kabarett. Um sich in dieser Stadt durchzusetzen, braucht man einen Zehnjahresplan." Dann aber brachte ihm der Umweg über die Bar jeder Vernunft den ersehnten Erfolg. Seither ist sein fulminantes Biedermeier-und-Brandstifter-Panoptikum mit einer Eigendynamik irgendwo zwischen Weltverbesserer und Reaktionär nicht mehr aus der Kleinkunstszene wegzudenken. "Die Synthese aus Idealist und Patriot", witzelt Rebers, "ist der Idiot!"

Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel.: 30 67 30 11. Termine: 21. & 30.4., 20 Uhr.