Tränen lügen nicht

Es endete mit dem Stück, mit dem alles begann: Mit Jerôme Bels Tanztheater-Performance "The Show Must Go On!" hatte Tom Stromberg vor fünf Jahren seine Intendanz am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg begonnen. Damals gnadenlos ausgepfiffen, wurde die Aufführung jetzt im ausverkauften Haus zum Triumph: Minutenlang klatschten die Zuschauer Beifall im Stehen. "Ich habe geschworen, nicht zu weinen. Diesen Schwur habe ich schon zwei Mal gebrochen", sagte Stromberg später sichtlich bewegt.

Der Mißerfolg mit Bels Tanztheater hatte im Herbst 2000 eine beispiellose Talfahrt des erfolgsverwöhnten Theatermann eingeleitet: Bis zur dritten Spielzeit sanken die Zuschauerzahlen, wichtige Mitarbeiter verließen das Haus und die Zeitschrift "Theater heute" erklärte das Schauspielhaus zum "Ärgernis der Saison". Es folgte eine Schlammschlacht mit der neuen Kultursenatorin des CDU-FDP-Schill-Senats, Dana Horáková (parteilos). Die umstrittene Senatorin verlängerte seinen Vertrag nicht und holte Friedrich Schirmer aus Stuttgart als seinen Nachfolger.

Doch Stromberg blieb seinem Konzept - zeitgenössische Autoren und junge hoffnungsvolle Regisseure - treu, und das zahlte sich letztlich aus: Die Regisseure Jan Bosse, René Pollesch, Stefan Pucher und Ingrid Lausund lockten mit ihren Inszenierungen ein junges Publikum an und brachten am Ende die großen Zuschauererfolge. Zum Schluß standen die Besucher Schlange, um Karten für "Othello" oder "Faust" zu ergattern.

"Lieber Tom, schade, daß Du gehst" und "Vielen Dank für den Wahnsinn!", haben dann auch Besucher in das Buch neben der Theaterkasse geschrieben. "Übernehmen Sie ,Faust', Herr Schirmer!", forderte ein anderer den Nachfolger auf. Nach der Tanz-Performance ging vor dem Schauspielhaus weiter: Der französische Pyro-Künstler Pierre Alain Hubert hatte zusammen mit dem Konzeptfeuerwerker Uwe Gryzbeck zum Abschied ein Feuerwerk entworfen. dpa