Klassikkritik

Japanische Gäste zum Festival-Auftakt

Am Anfang eine "Große Koalitions-Musik", mit dem Regierenden Bürgermeister (Sprechrolle!) mittendrin.

Maultrommel und Türkische Zither, sensationell vom erst 14-jährigen Berliner Nurullah Ejder gespielt, Djembe und Panflöte im Wettstreit, das russische Akkordeon mit seinem Rivalen aus Frankreich, Guzheng und Yanghin feinfingrig gezupft und mit Klöppeln geschlagen, das Sousaphon, aufmarschierend in einer Bläserhorde, endlich zwei Drehorgelspieler, im Volksmund weniger vornehm Leierkastenmänner genannt.

So vergnüglich und abenteuerlustig ging's los im Konzerthaus zur Eröffnung des fulminanten Young Euro Classic-Festivals, das am Gendarmenmarkt seinen 10. Geburtstag feierte. Er trug durchaus die Handschrift seines einfallsreichen künstlerischen Leiters Dieter Rexroth, der Klaus Wowereit zur Begrüßung von "Berliner Luft, Luft, Luft" musikalisch umwehen, dann aber seine erlesene Solistenbande vereint die Freude als schönen Götterfunken preisen ließ. Der Funke zündete auf Anhieb.

Danach nun also nun das Tokyo Geidai Orchester unter Ken Takaseki mit Beethovens Neunter Sinfonie. Höher geht's nimmer. Am überraschendsten aber dabei die frischstimmige Berliner Chorvereinigung von Cantus Domus und Ensemberlino, die sich den ausgezeichneten japanischen Gästen in überragender Form zugesellte. Bis zu ihrem Einsatz hatte sich das dreifach gesiebte Studentenorchester bereits Hochachtung erspielt. Nicht so sehr allerdings Beethoven. Er blieb ein Fremdling, intonationssicher und leidenschaftlich an der Hand geführt. Eine durchaus mitreißende Annäherung, der ein glückhaftes Solistenquartett singend beisprang. Kolossaler Jubel.