Kino

Unsere Stars bei Tarantino

Morgen feiert Quentin Tarantinos mit Spannung erwarteter wilder Kriegsfilm "Inglourious Basterds" Deutschland-Premiere am Potsdamer Platz. Der Kreischfaktor wird dabei exorbitant sein, wenn neben dem Kultregisseur auch Brad Pitt über den roten Teppich schreiten wird.

Dabei kommt morgen auch das halbe deutsche Filmwesen nach Berlin - und nicht nur, weil es eingeladen sind, sondern weil tatsächlich alle mitspielen. Bis zum deutschen Kinostart am 20. August ist es leider noch eine Weile hin. Wir verraten deshalb schon einmal, wer wen spielt.

Christoph Waltz Über ihn ist bisher am meisten geschrieben worden, nachdem er für seinen Part als SS-Oberst Landau in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. In Cannes schwärmte Tarantino von Waltz. Und der schwärmte zurück: "Du hast mir meine Berufung zurückgegeben". Waltz war bis dato einer der meistunterschätzten deutschsprachigen TV-Darsteller und musste allzu oft den bösen Buben geben. Hier spielt er eigentlich das klassische Nazi-Klischee: Kultiviert und belesen, kann er in der nächsten Sekunde zum eiskalten Killer werden. Aber Waltz, in Österreich geboren und zwischen Berlin und London pendelnd, gelingt es nicht nur, Brad Pitt glatt an die Wand zu spielen - er spielt das Klischee auch so, dass es keines mehr ist.

Gedeon Burkhard Es gibt in diesem Film nicht nur böse Nazis, es gibt auch Deutsche, die gegen die Nazis kämpfen. Einen von ihnen spielt Gedeon Burkhard. Er wird dafür in Pitts Horde der "Inglourious Basterds" aufgenommen und hält es wie diese: Er massakriert Nazis nicht nur, sondern skalpiert sie auch anschließend. Und er darf dabei herrlich auf Englisch fluchen. Das hat der Münchner im englischen Internat gelernt.

Daniel Brühl ist einer unserer größten Stars, auch im Ausland. Zuhause wird er aber oft auf den lieben, pausbäckigen Bubi reduziert. So erscheint er zunächst auch hier: Als Kriegsheld Frederick Zoller wird ein Film über ihn gedreht, bei dem er selbst die Hauptrolle spielt. Dennoch bleibt er schüchtern und blass - bis er ganz am Ende plötzlich eiskalt und aasig mutiert. Davon würden wir gern öfter was sehen! Brühl kann das. Auch deutsche Casting-Agenturen sollten das endlich kapieren.

Martin Wuttke Quentin Tarantino guckt ja nur Kino. Ins Theater geht er eher nicht. Trotzdem muss ihm irgendwer gesteckt haben, dass Martin Wuttke einst in Heiner Müllers legendärer BE-Inszenierung von Brechts "Arturo Ui" einen großartigen Ui gab, der ja nichts anderes ist als eine Allegorie auf Hitler. Und so darf Wuttke hier den Diktator erstmals in Reinform geben. Ihm gelingt dabei eine bravouröse Gratwanderung zwischen einer dramatischen Figur à la Bruno Ganz im "Untergang" und einer Witzfigur à la Helge Schneider in "Mein Führer". Eine Entdeckung!

Diane Krüger Ist nicht eigentlich Alexandra Maria Lara auf solche Rollen abonniert? Aber irgendwie schien Diane Krüger doch populärer - zumal in den USA, wo sie einen Film nach dem anderen dreht. Bei uns drehte die in Paris lebende Hildesheimerin ironischerweise erst unter Tarantino: und gibt eine Ufa-Schauspielerin, die mit den Alliierten kollaboriert. Ihr Rollenname Bridget von Hammersmark scheint die Verballhornung eines bekannten Regisseurs zu sein: Florian Henckel von Donnersmarck.

Sylvester Groth Schon in Dani Levys Hitler-Farce "Mein Führer" verkörperte der Sachse-Anhaltiner den Propagandaminister Joseph Goebbels. Den gibt er hier noch einmal. Das einzige Déjà-Vu in diesem Film, aber diesmal nicht ganz so stark als Karikatur angelegt. Eine Rehabilitierung für Groth, dessen Darstellung mit das Beste an Levys glücklosem Film war.

August Diehl spielt Major Hallstrom - der einzige Nazi, der dem gängigen Klischee des eiskalten Monsters entspricht. Der Berliner Schauspieler hat ihn auch allzu nahe an seinen SS-Mann aus Schlöndorffs "Der neunte Tag" angelehnt. Immerhin stirbt er in einem echten chaotischen Westernshooting.

Christian Berkel mimt einen grantigen Kneipier, der ganz wie im Westernsaloon eine Knarre unterm Tresen aufbewahrt und diese auch sofort zückt, wenn mal dicke Luft ist. Und natürlich gibt's dicke Luft. Ein Sekundenauftritt, aber ein nachhaltiger.

Alexander Fehling, Ken Duken, Sönke Möhring Sie spielen allesamt Wehrmachtssoldaten, die in Berkels Kneipe zechen und dabei die Schauspielerspionin und einige der Basterds in ein ziemlich albernes Ratespiel verstricken, das überraschend chaotisch endet. An anderer Stelle lacht auch einmal Jana Pallaske durchs Bild.

Til Schweiger war schon immer ein Tarantino-Fan. Seine Produktionsfirma "Mr. Brown Entertainment" hat er gar nach einer Tarantino-Figur aus "Reservoir Dogs" benannt. Jetzt spielt er unter Quentins Regie deutschen Nazi-Killer Hugo Stiglitz, der von den Basterds aus der Haft befreit wird, damit sie gemeinsame Sache machen können.

Fazit: In New York prophezeite der legendäre Hollywoodagent Paul Kohner Christoph Waltz, er würde in Amerika nur immer den Nazi geben und "Heil Hitler" rufen. Viele wollten diesem Klischee entrinnen, manche haben es willig erfüllt. Tarantinos "Basterds" könnte da eine Kopernikanische Zeitenwende einläuten: Hier spielen in einer US-Produktion deutsche Darsteller in einem gleichberechtigten Cast Gute wie Böse - und Klischees ohne Klischee. Vielleicht findet damit ja Hollywoods ewiges teutonisches Nazi-Stereotyp sein überfälliges Ende.