Theaterkritik

Abgründige Parodie auf alle Castingshows

Kaum eine Theatergruppe bringt das Experimentelle so entspannt auf die Bühne wie die britische Postdramatik-Combo Forced Entertainment. Die Performances der 1984 gegründeten, in Sheffield ansässigen Kompanie um Regisseur Tim Etchells sind unangestrengt abgedreht, blitzgescheit, aber nicht besserwisserisch.

Manchmal dauern sie 24 Stunden, manchmal drehen sie sich um nichts als "eine wunderschöne Stille", oft werden nächtelang Geschichten erzählt, lange Kataloge von Skurrilitäten erfunden. Liebhaber von so ungewöhnlichen wie unterhaltsamen Nicht-Shows sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen, wenn die Briten mal wieder im HAU auftauchen.

"The Thrill of it all" heißt ihre jüngste Inszenierung, die wie immer in englischer Sprache gezeigt wird. Es ist eine überdreht-abgründige Parodie auf alle Superstar-Such-Shows, eine Farce über Unterhaltungsindustrie, Spaß- und Gefallsucht. "Just do something funny", animiert der Showmaster den Bühnengenossen immer wieder und kanzelt ihn dann Bohlen-mäßig ab. "I'll sleep with someone in the audience", verspricht eine Performerin, ein anderer macht gleich dem gesamten Zuschauer-Kollektiv eine Liebeserklärung. In entstellender Übertreibung zelebriert dieser monströse Publikumsflirt jenes Ranschmeißertum, das wir von den einschlägigen TV-Formaten kennen.

Im Trash-Setting aus mobilen Papp-Palmen, ausrollbaren roten Teppichen und jeder Menge Mikros verausgaben sich die Damen in kurzen Glitzerkleidchen und Blondberücken, die Herren in weißen Anzügen und Schwarzhaar. Sie kuscheln sich auf dem Promi-Talk-Sofa zusammen oder hampeln und strampeln sich in Kollektivchoreographien ab, während ihre Stimmen von Mikros enteignet werden: Bei den Frauen rutschen sie ins schrill Kindliche, bei den Männern in Testosterontiefen. Und doch buhlen diese Have-fun-Freaks auf derart dilettantisch schräge Weise um Aufmerksamkeit, dass der Mainstream hops genommen wird und kleine Proben der Eigensinnigkeit entstehen.

Hebbel am Ufer 2 , Hallesches Ufer 32, Kreuzberg. Tel. 25 90 04 27. Termine: Heute um 19 Uhr; 24. und 25. Juni, 20 Uhr.