Theaterkritik

Misstrauen und Mobbing in der Wüsten-Fabrik

Ulrike Borowczyk

Eine namenlose Fabrik im Nirgendwo einer Wüste: Nach einem endlosen Flug vom Helikopter ausgespuckt, vergeht Dobbitt die gute Laune ziemlich schnell: Sein missmutiger Kollege Hanrahan lässt überhaupt keinen Zweifel daran, dass der Neuling unerwünscht ist.

- Zudem erwartet die Chefin Merkin von Dobbitt den Verrat an Hanrahan. Der wiederum will von Dobbitt etwas gegen die Abteilungsleiterin in die Hand bekommen, obwohl niemand wirklich weiß, was für Einheiten in dieser abgelegenen Fabrik eigentlich herstellt werden.

In der unwirtlichen, isolierten Welt, in der Betten, Schreibtische und Sitzgelegenheiten aus konfektionierten quadratischen Formsäulen bestehen und die Menschen Uniformen tragen, herrscht eine hochparanoide Atmosphäre voller gegenseitigem Misstrauen, die in bester Manier des Absurden Theaters Endzeitstimmung verströmt. Mit seinem Stück "Unter der Gürtellinie", das Ingrun Aran nun gleichermaßen beklemmend wie spannend im Theater unterm Dach inszeniert hat, steht der amerikanische Dramatiker Richard Dresser denn auch in der Tradition von Samuel Beckett und Eugène Ionesco. Das eindrucksvolle Spiel der Schauspieler ist dennoch erschreckend real.

Wie man Mitarbeiter und Kollegen meisterhaft mobbt, zeigt Frau Merkin (Victoria Pickett) mit teuflischem Gespür für toxische Ränkespiele, während sie gleichzeitig höllische Versagensängste aussteht. Ihr ist jedes Mittel der Manipulation recht. Dobbitt (Ralf Göhner) und Hanrahan (Thomas Lehmann) zappeln wie Marionetten an ihren Strippen, streiten sich ihrer Individualität beraubt sogar um eine Nichtigkeit wie einen persönlichen Piepton. Letztlich offenbart sich aber, dass alle drei Opfer eines gnadenlosen Systems sind. Furchteinflößend.

Theater unterm Dach , Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg. Tel. 902 95 38 17. Termine: 25. und 26. Juni; 2. und 3. Juli, jeweils um 20 Uhr

Unter der Gürtellinie ++++-