Film

"Ich wäre gern Journalist geworden"

Im Film "State of Play", der am Donnerstag in unsere Kinos kommt, taucht Russell Crowe als Reporter in die Welt der Politik-Skandale ein. Im Interview mit der Berliner Morgenpost erzählt der Australier aber, warum sein eigener Glaube an die segensreiche Wirkung des Journalismus erschüttert ist.

Mit Russel Crowe sprach Rüdiger Sturm.

Berliner Morgenpost:

Finden Sie den Beruf des Journalisten eigentlich erstrebenswert?

Russell Crowe:

Durchaus, das heißt, ich fand ihn erstrebenswert. Denn in meiner Jugend wollte ich ihn selbst ergreifen. Ich war Redakteur der Schülerzeitung und hatte mir schon die Bewerbungsunterlagen für die Journalistenschule besorgt. Allerdings waren meine Englischnoten nicht gerade berauschend, und letztlich fand ich andere Dinge im Leben interessanter. Wobei ich nach wie vor gut konstruierte Sätze liebe und an das Ideal des noblen Journalisten glaube, der zum richtigen Zeitpunkt die Wahrheit aufdeckt. Letzteres allerdings deckt sich nur noch bedingt mit meinen persönlichen Erfahrungen.

Welche Erfahrungen haben Sie denn so gesammelt?

Na, die Interviews in den letzten 30 Jahren, bei denen man mich verherrlicht, verraten und verprügelt hat. Das allein reicht schon. Ich musste gar nicht mehr für meine Rolle recherchieren.

Aber darin spielen Sie einen investigativen Polit-Journalisten. Was hat das mit einem Prominenten-Interviewer zu tun?

Ein Journalist ist ein Journalist. Die Themen ändern sich, aber der Beruf ist derselbe. Abgesehen davon: In den letzten Jahrzehnten haben wir doch erlebt, wie die Grenzen zwischen Nachrichten und Unterhaltung immer mehr verwischt wurden. Die Medien sind völlig zynisch geworden. Da nimmt man ein Stück Nichtigkeit und bläst es so auf, dass es in den freien Platz neben der Anzeige auf Seite fünf passt. Und die Generation, die damit aufwuchs, kann schon nicht mehr Unsinn von Wahrheit unterscheiden. Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, wo bestimmte Zeitungen als unerschütterliche Vermittler von Fakten galten, aber das hat sich leider geändert.

Hat Ihre kritische Sicht vielleicht auch damit zu tun, dass Ihre Wutausbrüche - wie etwa beim Telefonwurf auf einen Hotelangestellten - von den Medien ausgeschlachtet wurden?

Crowe:

Ich habe vor so etwas keine Angst. Ich bin ein ganz normaler Typ und glaube an das, was ich glaube, und versuche jeden Tag mein Bestes zu tun. Klar habe ich Wut in mir. Wenn du heutzutage deine Ehre bewahren willst, dann brauchst du das. Es gibt eine Menge Mist, mit der du konfrontiert wirst. Die Medien stören mich persönlich nur, indem sie mich mit Trivialitäten überschütten.

Aber Sie selbst produzieren auch nicht immer nur Hochkultur. Wie kam etwa ein Stück Nichtigkeit wie "Ein gutes Jahr" zustande?

Crowe:

Ich bin selbst manchmal überrascht, wenn ich mir die Filme ansehe, die ich gemacht habe. Aber du kannst nicht auf das eine perfekte Projekt warten. Sonst kriegst du nie einen Job. Dass ein "Gladiator" so gut gelingen würde, hatten weder Ridley Scott noch ich erwartet. Was nun "Ein gutes Jahr" angeht, das war ein Film, den Regisseur Ridley Scott unbedingt machen wollte, nicht ich.

Er hat Sie doch nicht gezwungen, dabei mitzumachen.

Crowe:

Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte. Nach "Gladiator" wollte er, dass ich effektiv in jedem seiner Filme mitspiele. Allerdings bewegten sich unsere Zeitpläne immer stärker auseinander. Schließlich gab es dann beim "Königreich der Himmel" das große Dilemma.

Worin bestand das Dilemma?

Wir hatten das Projekt zusammen über drei Jahre entwickelt, und plötzlich bekam Ridley dafür das grüne Licht, als ich mitten in den Vorbereitungen zu dem Boxerfilm "Das Comeback" steckte. Das ging natürlich nicht, und mir war klar: Wenn wir so weitermachen, wird das nie mehr zwischen uns klappen. Also setzten wir uns zusammen und besprachen die Projekte, die jeder von uns plante; mit von der Partie war der Autor Akiva Goldsman, der den Schiedsrichter spielte. Dabei stellte sich heraus, dass diese dumme kleine Komödie in Südfrankreich Ridleys größte Leidenschaft war. Ich dachte einen Tag lang nach und sagte: "Egal was du machen willst, wir tun das."

Aber warum funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden, wenn Ridley Scott mit Schauspielern nicht klar kommt?

Kurz vor Drehbeginn halte ich mich fern von ihm. Er ist ein alter Bastard; in dieser Phase schießt er auf alles, was sich bewegt. Aber sobald wir zu drehen anfangen, sehen wir die Welt auf die gleiche Weise. Ridley schafft es wie kein anderer, komplette Welten zu kreieren. Und ich bin ein Zeitreisender, der in dieser Welt leben darf. Da schätze ich mich wirklich glücklich.

Sind Sie da nicht für die Zusammenarbeit mit anderen Regisseuren verdorben? Kevin MacDonald dürfte es bei "State of Play" mit Ihnen nicht leicht gehabt haben.

Crowe:

Das hat damit nichts zu tun. Letztlich weißt du immer erst beim Dreh, ob ein Regisseur für dich richtig ist. Wenn Probleme auftreten, dann stehen die einen ihren Mann und die anderen nicht. Und Kevin versteht das Medium und wie er mit seinen Stars umgeht. Er wird immer besser werden. Das ist sein erster Hollywood-Film, und für das ist "State of Play" recht gut.

Geben Sie sich mit "recht guten" Filmen zufrieden?

Crowe:

Ich muss niemand mehr etwas beweisen. Wenn die Rolle interessant ist, macht mich das schon glücklich. Allerdings - bei Robin Hood ist das anders. Das ist mein Kindheitstraum. Das ganze Vorhaben wäre sinnlos, wenn dabei nur etwas "recht Gutes" herauskommt. Entweder ganz oder gar nicht.