Theaterkritik

Prater-Premiere: Eine Königin als eiserne Jungfrau

Wenn die drei duldsamen Herren in Schwarz Zeit für sich abknapsen können, reagieren sie sich gern beim Dartspiel ab und schleudern ihre Pfeile direkt ins Konterfei der Königin.

Verständlich, ist die Monarchin mit ihren ewigen hysterischen Anfällen eine Nervensäge allererster Güte. Elisabeth I. von England (1533-1603) weiß nämlich gar nicht mehr, wer sie ist. Sie wurde von so vielen Schauspielerinnen gespielt, dass sie nun in jungen Jahren wie Cate Blanchett aussieht und als alte Dame wie Bette Davis.

Ihre Allüren lassen auf eine hochprozentige Diven-Essenz in den Adern schließen, könnten aber auch das Resultat eines anderen Problems sein: Zwar verschlingt die Königin Groschenromane, doch im realen Leben ist sie eine eiserne Jungfrau. Obwohl sie sich in Jugendfreund Robert Dudley und in Abenteurer Walter Raleigh verliebt, bleiben die Beziehungen platonisch. Das Volk verleiht ihr deshalb den Titel "The Virgin Queen", der nun in poppigen Lettern über der Prater-Bühne prangt.

Regisseurin Claudia Bauer hat mit "Virgin Queen" die Travestie eines Königinnen-Dramas ersonnen und inszeniert, die trotz neunzigminütiger Kürze gewaltig an der Geduld des Zuschauers nagt. Dabei hatte sich manch einer mehr erhofft, denn die Titelrolle spielt Film-Star Sandra Hüller, die als Elisabeth I. erstmals in Berlin auf der Bühne steht. Doch die Selbstinszenierung der Königin zwischen Amtspflicht und sexueller Frustration ist konzeptionslos und zu disparat, als dass man erkennen könnte, was die schrille, biographisch und historisch unscharfe Collage wirklich will. Was bleibt ist ein abstruser Abend.

Volksbühne im Prater , Kastanienallee 7-9, Prenzlauer Berg, Tel. 44 35 18 27. Termine: 18., 20. & 24. 6., 19.30 Uhr.