Theater

Volksbühne: Frank Castorf vermischmascht "Medea"

Der Stoiker Seneca, Römer aus Cordoba und Lehrer des Kaisers Nero, hat ein eigenes "Medea"-Drama geschrieben. Anders als bei der mehr als 400 Jahre älteren Tragödie des Euripides, ist die Titelfigur nicht mehr unbedingt das Opfer ihres untreuen Mannes.

Berlin - Vielmehr scheint hier Jason der Leidtragende ihres Wahnsinns. Medea ist geradezu das Vorführ-Modell irrationaler inhumaner Raserei.

Nachdem er anderen Regisseuren im Freilichttheater der Volksbühne den Vortritt gelassen hat, greift jetzt Frank Castorf zu diesem Stoff. Aber die Besonderheiten von Senecas Fassung werden sich dem Zuschauer nicht erschließen. Auf halbem Wege seiner Inszenierung ist Castorf ein Konzept eingefallen, das eher noch zur Verunklärung beiträgt. Die lateinische Tragödie wird hier mit einem erzählerischen Text von Alexander Kluge vermischmascht. Er entwirft darin die Fiktion, Martin Heidegger sei 1941 im Frontgebiet auf der Krim gewesen, um sich auf die Suche nach griechischen und ostgotischen Fundstücken zu begeben. Dort habe Heidegger Exekutionen durch die SS beigewohnt.

Jeanette Spassova gibt als Medea mit kreischenden, schreiend pathetischen Exaltationen die Karikatur einer großen Tragödin und Nervensäge und haut schon mal den beiden "Schatten", mit denen Castorf die Figur vervielfacht, eine Bratpfanne über den Kopf. Auch Marc Hosemann, als Jason an eine orientalische Karl-May-Figur erinnernd, lässt es nicht an naivem Gefuchtel und schrillen Tönen fehlen. Für Lacher sorgt zuverlässig Volker Spengler: in eine Steppbettdecke eingehüllt, figuriert der füllige Darsteller, mit Zuspruch vonseiten der Souffleuse, als Amme. Die Aufführung überschreitet mühelos die Grenzen der unfreiwilligen Parodie. Das Publikum schwankt bei soviel Trash zwischen Erheiterung und Langeweile.

Volksbühne ., Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Tel. 240 65 631. Termine: 12., 14., 27. Juni; 4., 8., 11. Juli, jeweils 19.30 Uhr.

Medea +----