Interview

Annäherung an einen Revolutionär

Gute zehn Jahre brauchte es, die Lebensgeschichte von Che Guevara auf die Leinwand zu bringen. Doch auch nach der Weltpremiere beim Festival in Cannes 2008 fand sich zunächst niemand, der den Film von Oscar-Gewinner Steven Soderbergh in die Kinos bringen wollte.

Nun aber ist es soweit: "Che - Revolucion" kommt morgen in unsere Kinos, der zweite Teil "Che - Guerilla" folgt am 23. Juli. Mit Hauptdarsteller und Produzent Benicio Del Toro sprach Patrick Heidmann.

Berliner Morgenpost:

Sie waren die treibende Kraft hinter der Entstehung der beiden "Che"-Filme. Was war für Sie das Schwierigste an dem Projekt, und warum hat es so lange gedauert?

Benicio Del Toro:

Wir wollten ganz sicher gehen, dass man wirklich etwas über diesen Mann erfährt, deswegen mussten wir uns selbst erst einmal ausgiebig mit ihm beschäftigen. Dazu gehörten natürlich auch intensive Recherchen zur Geschichte Kubas. Wir sind alleine sechsmal nach Kuba geflogen - und wie Sie wissen, ist es nicht ganz einfach, als Amerikaner nach Kuba zu reisen. Außerdem dauerte es eine ganze Weile herauszufinden, wie man diese Lebensgeschichte am besten erzählt, ob in einem einzelnen Film mit verschiedenen Zeitsprüngen oder eben in zwei Teilen, wie wir es nun getan haben.

Hatten Sie auch Schwierigkeiten, weil Che Guevara für viele Menschen eine höchst kontroverse Person ist?

Sicher, das haben wir oft zu spüren bekommen. Nicht zuletzt deswegen sind die Filme in den USA ja auch nur sehr klein ins Kino gekommen und wurden kaum wahrgenommen. Aber natürlich gibt es auch andere Gründe dafür, dass die Produzenten mit ihren offenen Geldkoffern bei uns nicht Schlange standen. Wir haben schließlich ausschließlich in Spanisch gedreht - und fremdsprachige Filme haben es in Hollywood schon alleine wegen der Fernsehauswertung sehr schwer.

Wie und wann kam Steven Soderbergh als Regisseur mit an Bord?

Meine Produktionspartnerin und ich bekamen schon 1998 die Rechte an einer Che-Biografie, aber daraus ein überzeugendes Drehbuch zu machen, erwies sich als gar nicht so einfach. Aber 2000 drehte ich mit Steven "Traffic" und er begann, sich für das Thema und die Geschichte zu interessieren. Also kam er mit an Bord, und endlich nahm dann das Projekt auch erste Formen an.

Können Sie beschreiben, welches Bild Sie vor dem Film von Che hatten und wie es sich durch die Beschäftigung mit ihm verändert hat?

Als ich aufwuchs, wusste ich eigentlich nicht viel über ihn. Mehr als das vage Bild eines Guerilla-Kämpfers hatte ich nicht im Kopf. Ich hielt ihn für einen gefährlichen Mann. Erst etliche Jahre später las ich ein Buch mit seinen Briefen, die er von seinen Reisen durch Südamerika und auch aus Kuba an seine Mutter, seinen Vater und seine Tante geschrieben hatte. Dadurch erkannte ich, dass es natürlich auch noch eine andere Seite dieses Mannes gab, die aber neben seinem Mythos immer im Schatten stand. So erwachte mein Interesse, mehr über ihn zu lernen und mich wirklich mit diesem Menschen auseinanderzusetzen. Durch den Film veränderte sich dieses Bild später nicht noch einmal wirklich.

Ausschließlich kritisch sehen Sie ihn also nicht mehr?

Ich persönlich bin selbstverständlich nicht damit einverstanden, wenn jemand zum Gewehr greift, um seine Ziele durchzusetzen. Vielleicht wäre das noch einmal ein Unterschied, wenn ich in den Sechzigern leben würde, aber heute sind die Zeiten einfach eindeutig anders, wenn es um das Erreichen von Veränderung geht. Doch selbst wenn seine Methoden es nicht sind, glaube ich nach wie vor, dass viele Ideale, für die er kämpfte, auch heute noch relevant sind. Seine Vorstellungen von Erziehung und Gesundheitsversorgungen wären jedenfalls immer noch für viele Länder hilfreich.

Sie haben auch Ches Witwe und einige seiner Mitstreiter getroffen. Was war das für ein Erlebnis?

Es war unglaublich - und für die Entstehung dieses Films von ganz entscheidender Bedeutung. Für uns war es ein großes Glück, dass diese Menschen noch leben und von ihren Erfahrungen erzählen konnten und auch wollten. Das Entscheidende war für mich gar nicht so sehr, ihren Segen für das Film-Projekt zu bekommen, sondern viel mehr ihre ehrlichen Meinungen und Berichte über Che Guevara zu hören. Letztlich habe ich sie getroffen, um von ihnen zu lernen.

Ihnen eilt der Ruf eines Method Actors voraus, der schon mal wirklich brennende Zigaretten auf seiner Haut ausdrückt, wenn das zur Rolle gehört. Wie weit mussten Sie im Falle von "Che" gehen?

Ich weiß gar nicht, ob ich mich wirklich als Method Actor bezeichnen würde. Ich habe bei Stella Adler gelernt, die eigentlich einen etwas anderen Ansatz der Schauspielerei verfolgt hat. Bei "Che" war für mich jedenfalls das Wichtigste nicht unbedingt, dass ich genauso aussehe wie Che, dass ich so klinge oder mich so bewege wie er. Es ging vor allem darum, ihn wirklich zu verstehen, die einzelnen Abschnitte seines Lebens nachvollziehen zu können.

Ihr Spezialgebiet sind anspruchsvolle, sehr düstere Rollen. Demnächst drehen Sie einen Film über die legendäre Komikertruppe "Three Stooges". Ist das ein Kurswechsel?

Ach, in erster Linie ist es einfach nur Arbeit, egal ob man einen leichten oder einen schweren Film dreht. Trotzdem freue ich mich natürlich drauf, auch mal in dieser Richtung die Sau raus lassen zu können. Ich bin schließlich immer auf der Suche nach Neuem, nach Überraschendem.

Sie haben bereits einen Kurzfilm inszeniert. Ist Regie etwas, womit Sie sich künftig beschäftigen wollen?

Sicher, einmal ausprobieren, ob ich einen echten Spielfilm auf die Beine stellen kann, möchte in auf jeden Fall. Danach kann ich immer noch sagen, dass ich das nie wieder mache.