TheaterKritik

Wie Brad Pitt die Welt mit einem Film retten will

Brad Pitt geht es gar nicht gut. Schwerer Fall von Weltschmerz, "psychoklimatischer Anfall", diagnostiziert der Therapeut.

- Nun hat Beau Brad mit seiner Charity-Angelina ja sehr öffentlichkeitswirksam schon ein paar Millionen gespendet, ein paar Öko-Häuser gebaut und je ein Kind aus Äthiopien, Kambodscha und Vietnam adoptiert. Jetzt aber will er die ganze Welt retten, mit einem Film über das Leiden von Mutter Erde, ein allumfassender Klimakatastrophen-Quotenknaller muss her.

Wie er dabei an der Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit im eigenen Handeln scheitert, rückt der dänische Theaterautor Christian Lollike ins Zentrum seines Stückes "Cosmic Fear oder Der Tag, an dem Brad Pitt Paranoia bekam." Das Stück entstand als Auftragsarbeit des Maxim Gorki Theaters, wo es jetzt im Studio seine Uraufführung erlebte. Es ist die Selbstüberprüfung eines Gutmenschen. Und genau so wie öffentlich zelebrierte Wohltaten prominenter Zeitgenossen durch die kalkulierte selbstinszenatorischen Wirkung oft einen schalen Beigeschmack bekommen, kränkelt diese Inszenierung an zu viel Effekt und zu wenig Substanz. Die 30-jährige Regisseurin Mareike Mikat, viel gelobter Jung-Star der Regie von der Skala Leipzig, war schon immer die Frau fürs überbordend Visuelle und wie es sich für die Popkultur-Generation gehört, macht es natürlich Spaß, sich das anzuschauen. Das gilt auch für diesen Abend, er hat durchaus seine komischen Momente, die bleiben aber weitgehend folgenlos.

An den Darstellern liegt es nicht: Sylvia Habermann, Holger Stockhaus und Andrej Kaminsky scheuchen sich hochprofessionell vor der Wellblechwand gegenseitig bis zur Erschöpfung über die Bühne, engagieren sich in wechselnden Rollen buchstäblich bis zum letzten Hemd, suhlen sich naturnah im Schlamm, kriechen in Eisbären- und sonstige Kostüm-Ungetüme. Hier bleibt keine Minute zum Verschnaufen, auch dem Publikum nicht. Nur der von der Decke hängende Eisblock schmilzt in aller Ruhe, derweil auf der Hollywood-Party der Champagner in Strömen fließt und außerdem: "Der höhere Wasserstand verkürzt den Weg zum Strand", findet Pitts Produzent. Brad selbst sagt Sätze wie: "Ich ersticke in meinem Zynismus", Angelina sieht meistens sehr hübsch aus. Ist die Schminke mal verrutscht, eilt die Maskenbildnerin herbei. Die Weltrettung als Movie-Set. Brads "Save-The-World"-Projekt jedenfalls scheitert gründlich. Zumindest auf der Theaterbühne.

Studio des Maxim Gorki Theaters , Hinter dem Gießhaus 2, Mitte. Termine: 10. & 11. Juni, 20.15 Uhr. Tel. 20 22 11 15.