Konzertkritik

John Butler: Erst meditieren und dann abheben

| Lesedauer: 2 Minuten
Johanna Merhof

John Butler ist einer von diesen Kerlen, die fast ein wenig zu gut erscheinen, zu freundlich, talentiert, umweltfreundlich, um wahr und erfolgreich im durchgeknallten und gemeinhin arg ungesunden Rock'n'Roll-Zirkus zu sein.

Doch vielleicht liegt es daran, dass die Australier tatsächlich relaxter sind, oder auch nicht viel für Coolness übrig haben, vielleicht liegt es an Butlers Vergangenheit als Straßenmusiker oder daran, dass er jeden Tag eine Stunde meditiert: Jedenfalls wirkt er bei seinem Gig im Berliner Huxleys unverschämt ausgeglichen, mit sich, der Welt und seinem Instrument im Reinen.

In seiner Heimat ist der 35-Jährige längst ein Star, er trat mit seiner Combo, dem John Butler Trio, bei Live Earth auf, seine Platten belagern dort die Chartspitze, doch auch in hiesigen Gefilden bekommen Gitarrenfans bei seinem Namen leuchtende Augen. Denn der Mann spielt derart virtuos mit Rootsrock, Pop, Country, Reggae und Dancehall, dass seine Musik schier überbordet vor Lust am Experiment, wobei das Herzstück eines jeden Songs sein fantastisches Gitarrenspiel ist, ob nun an der Lapsteel, an der antiken Dobro, am Banjo oder auf der elektrischen. Butler spielt Gitarre, als umwerbe er eine Liebhaberin: zärtlich, vorpreschend, waghalsig. Sein aktuelles Album "April Uprising" ist sein zugänglichstes geworden, die Band hat jetzt auch keine Angst mehr vor Rockohrwürmern, wie "One Way" oder "Close to you" beweisen.

Im Huxleys zeigte Butler am Dienstagabend, dass ökologisches Bewusstsein mit Revoluzzergestus nicht nach räucherstäbchenverpester Weltmusik klingen muss, sondern dass Gutmenschentum auch derbe grooven kann. Dabei wurde er virtuos unterstützt von der neuen Bandbesetzung Shannon Birchall an Bass und Kontrabass sowie Butlers Schwager Nicky Bomba an den Drums - es gab 20-minütige Gitarrensoli, Schlagzeugexzesse und ein Publikum, dass Reggaesilben sang, als habe es nie was anderes getan. Hip ist das nicht, dafür aber mitreißend und verdammt sympathisch. Wenn diese Musik als Mainstream gilt, macht die Masse etwas richtig.